Schenken und Helfen


Schon mal Baumsetzlinge (30,-€) verschenkt? Oder eine Milchziege? (60,-€)

Auch wenn der Katalog auf der Website von WorldVision Deutschland (noch) nicht die Auswahl bietet wie das Pendant auf worldvision.ca, findet man doch auch hier viele schöne aber preisgünstige Dinge, die für Menschen in akuter Armut eine konkrete Hilfe bei der Bewältigung ihres Lebens darstellen können. Selbst wer sonst derartigen humanitären Hilfsorganisationen skeptisch gegenübersteht (“Wer weiß, wofür die das Geld ausgeben!?”) dürfte sich mit diesem Gedanken anfreunden können.

Und vielleicht wird dann auch in einem kleinen Dorf mitten in der afrikanischen Steppe in einem Monat: Weihnachten…



Bitte für die Ar…löcher! (Kleines 1×1 des Betens, Folge 5)


Nachdem wir in den letzten Folgen die aus meiner Sicht wirklich grundlegenden Einsteigertipps erfolgreich abgefrühstückt haben dürften, kommen wir so langsam aber sicher an’s Eingemachte. Ich möchte an dieser Stelle aber nochmals betonen, dass ich die bisher vorgebrachten Anregungen nicht zuletzt auch für mich selbst hier niedergeschrieben habe. Denn keinesfalls kann ich von mir sagen, diese Dinge in aller Regel zu beherzigen. Dies gilt noch weitaus mehr für die nun kommenden Punkte.

Eine Sache, von der ich meine, dass sie besonders wichtig ist, weil sie auf ein Wort Jesu zurückgeht und darüberhinaus auch ein “Alleinstellungsmerkmal” des Christentums darstellt, ist die Fürbitte für unsere Feinde. Nächstenliebe schließt in jedem Fall auch Feindesliebe mit ein (weil unser Nächster eben jedermann sein kann) – das erklärt Jesus eindrücklich und überzeugend in einem Abschnitt der Bergpredigt, wie Matthäus es uns in seinem Evangelium in Kap. 5, 43-48 überliefert hat. Dabei ist es nur ein kurzer Nebensatz, der große Wirkung in Deinem Leben entfalten könnte: “Bittet für die, die Euch verfolgen!”

Glücklicherweise wird in unseren Landstrichen nur noch wenige Bürger von ihren Mitmenschen angefeindet oder verfolgt. Wirkliche Feinde hat wohl kaum noch jemand. Doch da gibt es Leute, die Dich einfach nerven oder Dir unsympathisch sind. Vielleicht gibt es sogar den einen oder anderen Zeitgenossen, der Dir echte Probleme bereitet, indem er Dir in der Schule oder auf der Arbeit das Leben schwermacht. Das Spektrum beginnt aber bereits bei dem Typen, mit dem Du auf der Klassenfahrt / Geschäftsreise oder auch dem Jugendwochenende ganz bestimmt nicht das Zimmer teilen möchtest.

Hier kann Dein Gebet seine positive Kraft enfalten, und zwar auf beiden Seiten. Denn während Gott sicherlich auf Deine ernsthafte Bitte hin Herzen und Gedanken Deines “Widersachers” lenken kann, bewegst Du auch etwas in Dir, wenn Du Dich mit dieser Person und ihren Problemen auseinandersetzt. Das gibt Dir eine andere Sichtweise auf ihr Verhalten. Und Verständnis ist der erste Schritt auf den Anderen zu. Wichtiger Schlüssel zum Verständnis anderer ist das eigene Verstehenwollen. Wenn Du Dir während des Betens ernsthafte Gedanken darüber machst, was Gott Deinem Gegner Gutes tun könnte – was er also braucht -, dann kann eine (durchaus begrüßenswerte) Nebenwirkung davon sein, dass Gott auch Dir etwas schenkt: Ein Herz voll Liebe für Deinen Nächsten (vgl. Mt.5,44)



Sei Dein eigener Kreativdirektor (Kleines 1×1 des Betens, Folge 4)


“Ich bin klein, mein Herz ist rein, ich will auch immer artig sein!” bzw. “…soll niemand drin wohnen als Jesus allein!” oder “Komm, Herr Jesus, sei unser Gast…” – vermutlich haben die meisten Christen als Kinder das Beten gelernt, in dem sie mit geschlossenen Augen und gefalteten Händen gereimte Sätze (nach-) gesprochen haben. Das ist sicherlich für den Anfang auch genau die richtige Vorgehensweise. Kein Erwachsener würde sich aber dauerhaft auf die oben als Beispiele angeführten Gebete beschränken wollen. Trotzdem beten viele immer wieder in den ihnen gewohnten Phrasen, was zu ähnlich formelhaften Ergebnissen führt. Warum eigentlich?

Meine Vermutung: Simultan nachzudenken und zu sprechen stellt eine ziemliche Herausforderung dar (insbesondere für Männer), etwas quasi auswendig dahersagen fällt dagegen leichter (zumal, wenn es auf die Genauigkeit nicht so sehr ankommt). Wer schon einmal eine Stegreifrede halten musste, weiß vielleicht, was ich meine – das ist i.d.R. viel schwieriger als ein vorbereiteter Vortrag. Deswegen werden wir – da es ja beim Beten nicht so drauf ankommt – schnell mal faul und klammern wir uns an Altbewährtes. Es kommt aber drauf an! Das Problem in diesem speziellen Fall ist nämlich: Gebete nutzen sich ab. Wer hätte sich nicht schon beim Beten des “Vater Unser” dabei ertappt, wie der Mund die Worte mitspricht, während sich der Geist sich anderen Dingen zuwendet? Wichtig sind aber letztlich nicht die ausgesprochenen Worte, sondern die Bewegung, die dazu durch Herz und Geist geht.

Dass es daher zum Erreichen eines intensiven Gebetslebens notwendig ist, eigene, passende Umschreibungen für den inneren Gefühlszustand zu finden, ist vor einigen Tagen schon angeklungen, als es darum ging, laut zu beten. Die Frage, was eigentlich momentan mit mir genau los ist, dürfte in den meisten Fällen schon schwierig zu beantworten sein. Noch interessanter wird es allerdings, wenn es darum geht, was unser himmlischer Vater denn konkret verändern könnte, um mir zu helfen. Doch Bitten haben wir meistens sowieso schon viel zu viele, und auch die Fürbitten für unseren näheren Verwandten- und Bekanntenkreis dürften relativ leicht fallen – wobei ich auch hier vor der simplen Pauschalisierung warnen möchte. (“Und hilf doch bitte den Kreuzesträgern.”) Daneben gibt es aber noch ein paar andere Möglichkeiten:

  1. Für jemanden bitten, an den man noch nie gedacht hat: Jeden Tag treffen wir diverse Personen, die wir zwar schon irgendwie zu unserem Bekanntenkreis zählen dürfen, aber noch nie in einem Gebet bedacht haben. Such Dir einen dieser Mitmenschen aus, und überleg Dir, wie Gott ihr helfen könnte. Was wünscht sie sich? Was macht ihr Sorgen? Das ist ein guter Anlass, sich mal näher mit diesem Menschen zu beschäftigen und gleichzeitig die Fürbitte zu üben.
  2. Bewusst danken: Es ist nicht ganz leicht, sich bewusst zu machen, was man in den letzten Tagen alles Gutes erlebt hat. Auch hier lohnt es sich, intensiv darüber nachzudenken, in welcher Form Gottes Hilfe dazu beigetragen haben könnte. Das dürfen gerne auch Kleinigkeiten sein – nur halt nicht immer die gleichen. (Achtung: Gewohnheit!) Als Ausgangspunkt für Einsteiger eignen sich dazu die von Stammapostel Leber auf dem Jugendtag in NRW angeführten Beispiele – viele der Dinge, die für uns hierzulande nichts Besonderes mehr darstellen (Religionsfreiheit, um nur ein Beispiel zu nennen), sind in anderen Gebieten garnicht möglich. Das bietet also nicht nur den Anlass für Dankbarkeit, sondern auch für weitere, konkrete Fürbitten.
  3. Überschwenglich loben: Mal ernsthaft – gehört der Lobpreis Gottes zu Deinem persönlichen Gebet? Ich tue mich damit häufig ziemlich schwer, besonders, wenn ich allein bete. Dabei könnte man da eigentlich mal so richtig die Sau rauslassen! Der Trick: Nicht irgendwelche Wortungetüme wie “wundervoller”, “gütiger, treuer” oder “allmächtiger” (…Vater) versuchen zu benutzen, die Dir sonst nicht über die Lippen kämen – dadurch wirst Du auch nicht heiliger. Finde lieber Deine eigenen Worte – das macht viel mehr Spaß! Gott rockt einfach total, und das darf man ihm auch ruhig mal so sagen.

Hmm, Du erlebst momentan aber nichts, wofür Du Gott danken oder loben könntest? Auf diese Problematik möchte ich später noch eingehen, sie würde diesen Beitrag sprengen.



Let’s get loud! (Kleines 1×1 des Betens, Folge 3)


Wer sich mal so richtig aussprechen will, muss zunächst einmal eines: sprechen!

Folge 3 in einer Serie von Gedanken zu einem gesunden Gebetsleben.

In der letzten Folge an dieser Stelle wurde besonders herausgestellt, wie wichtig es ist, sich zum Beten zurückzuziehen. Das ist nicht nur reiner Selbstschutz, sondern trägt auch dazu bei, die Nerven der anderen zu schonen. Denn ein meiner Ansicht nach wesentlicher Tipp zum Beten ist: Bete laut! Ja, genau – LAUT!

Dieses Vorgehen zwingt Dich nämlich dazu, Deinen Sorgen und Problemen, aber auch Deiner Freude wirklich Ausdruck zu verleihen. Du musst Deine Gedanken ordnen, um Sätze zu formulieren. Das mag Gott letztlich egal sein, da er schließlich auch in Dein Herz sehen kann – aber wir Menschen werden uns vieler Probleme erst richtig bewußt, wenn wir versuchen müssen, sie anderen zu erklären. Nicht selten erzeugt dies dann den einen oder anderen Geistesblitz, der uns bei der Lösung behilflich ist. Gleiches gilt auch umgekehrt für den positiven Fall: Ein nicht ausgesprochenes Lob ist faktisch wertlos. Gott hat Deinen Dank nicht nötig – aber Du hast es nötig, Dir immer wieder auf’s Neue bewußt zu werden, wie groß und gütig unser Vater im Himmel ist! Halleluja!

Ein netter Nebeneffekt des lauten Betens ist übrigens, dass man sich schnell darüber im Klaren ist, wie viele Floskeln und Phrasen man verwendet. Wendungen wie “er- und durchleben” sind kein Merkmal einer besonders heiligen Sprache; sie weisen vielmehr darauf hin, dass man Versatzstücke einfach recycelt anstatt seine Anliegen in passende Worte zu kleiden. Gott wird Dir nicht böse sein, solltest Du mehrmals ansetzen müssen, bis Du Worte gefunden hast, die Deinen Herzenszustand widerspiegeln. Aber Du tust Dir selbst einen Gefallen mit dem Versuch, Dein Inneres möglichst detailgetreu zu schildern. Dann erreicht Dein Gebet eine besondere Tiefe, und das Beten wird Dir nicht länger monoton, langweilig oder repetitiv erscheinen.



Öfter mal den Rückzug antreten… (Kleines 1×1 des Betens, Folge 2)


…um die Kräfte neu zu ordnen.

Folge 2 in einer Serie von Gedanken zu einem Gebetsleben, das diesen Namen auch verdient.

Gestern ging es hier um die Notwendigkeit, sich täglich zehn Minuten Zeit fest einzuplanen, um seiner Seele die Chance zu geben, einmal richtig tief durchatmen zu können. Diese zehn Minuten müssen nicht unbedingt komplett mit dem eigentlich Beten ausgefüllt sein. Zunächst müssen wir ein paar Voraussetzungen schaffen, um überhaupt sinnvoll beten zu können. Besonders wichtig dabei: Ruhe.

Beten ist Konzentrationssache. Letztlich ist ein Gebet immer auch eine Meditation. Ein nebenbei laufender Fernseher ist da eher hinderlich. Sicher, man wird auch im größten Tohuwabohu ein kurzes Stoßgebet an Gott senden können, und bestimmt ist es möglich, auch bei laufendem Radio mal eben schnell für’s Essen zu danken – aber wirkliche Tiefe im Gebet kann man erst bei Stille erreichen. Aus diesem Grund sind mönchische Schweigeorden wie die Kartäuser entstanden. Für’s Erste sollte aber etwa ausreichen, Dein Handy lautlos zu schalten.

Das Herstellen äußerer Stille ist jedoch nur ein erster Schritt: Auch in Dir selbst muss Ruhe einkehren. Wie das geht, musst Du für Dich selbst herausfinden – jeder Mensch hat da andere Möglichkeiten. Mir persönlich hilft es, wenn ich mehrmals tief durchatme und mich ganz auf die Stille konzentriere, die mich umgibt, indem ich intensiv lausche. Dann merke ich, wie ich schlagartig ruhiger werde. Andere holen sich geistig ein bestimmtes Bild vor Augen, vielleicht eine Landschaft. Auch die Möglichkeit, einen kurzen Text zu lesen – ob aus der Bibel oder einem anderen geeigneten Buch – und sich damit gedanklich zu befassen, sollte nicht außer Acht gelassen werden. Irgendwann merkst Du dann: Jetzt kann’s losgehen!



Nimm Dir Zeit… viel Zeit! (Kleines 1×1 des Betens, Folge 1)


Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Die 1. Folge in einer Serie von Gedanken zu einem Gebetsleben, das diesen Namen auch verdient.
Ein Großteil unseres Gebetslebens wird von den ritualisierten Tageszeitengebeten geprägt – am Frühstückstisch, beim Abendbrot, vor dem Schlafengehen. In diesen Situationen hat man meist entweder nur wenig Zeit (weil sonst die Bahn weg ist oder das Essen kalt) oder ist rechtschaffen müde. Daher sind diese Gebete oft zweckgebunden und sehr kurz. Sie dauern meist weniger als dreißig Sekunden – und das ist so auch vollkommen in Ordnung! Jedenfalls, wenn es als Ausgleich dazu täglich noch mindestens ein weiteres, längeres Gebet gibt.

Betrachte dieses eine, längere Gebet als Deine tägliche Seelengymnastik – Du tust Dir damit selbst etwas Gutes! Ein einfacher Workout, um vital und agil zu bleiben. Nichts Großartiges, nur ein paar Fingerübungen, aber mit hohem Wirkungsgrad. Um diesen zu erreichen ist aber nicht die Quantität der gemachten Worte, sondern die Qualität der bewegten Gedanken erforderlich – das Gebet soll nicht in die Länge, sondern in die Tiefe gehen. Insofern darf auch ein solches, richtiges Gebet kurz sein. Wichtiger sind Herzenseinstellung und Inhaltsreichtum. Stimmen diese beiden Faktoren, dann belebt ein Gebet wie ein kurzer, schneller Spaziergang an der frischen Luft und gibt Dir Kraft und neuen Schwung. Dafür lohnt es doch sicherlich, sich etwa zehn Minuten Zeit zu nehmen? Ach, zehn Minuten, das klingt garnicht nach so furchtbar viel? Prima, um so besser! :-)

Entscheidend ist, dass diese zehn Minuten einen festen Platz in Deiner Tagesplanung bekommen. Das ist oft schwieriger als gedacht, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Selbst bei den besten Vorsätzen kommt immer wieder etwas dazwischen. Also muss Dein Gebet auch eine gewisse Priorität haben, um sich gegen die andere Konkurrenz (u.a. Deine Lieblingsserie und die natürliche Faulheit) durchsetzen zu können. Wenn Du wirklich beten willst, sollte das aber auch möglich sein – es geht wie gesagt lediglich um zehn Minuten. Beten wollen musst Du allerdings selbst… ;-)

Wenn Du willst, dann schau doch die nächsten Tage hier mal wieder vorbei! In der kommenden Woche möchte ich mich – auch anlässlich des Buß- und Bettages am Mittwoch – in einer kleinen Serie einmal intensiv mit dem praktischen Gebetsleben auseinandersetzen und meine Tipps und Tricks rund um’s Beten mit Euch teilen. Den Anstoss dazu hat unser heutiger Jugendgottesdienst gegeben.



Wir haben keine andere Wahl… (Dan.9,18)


… wir sind Gott schutzlos ausgeliefert. Zum Glück!

Einige Gedanken zum Jugendgottesdienst für November 2008.

“Denn wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.” (Dan. 9, aus 18)

“Wir liegen” – das hat mich gleich angesprochen. Ich habe damit sofort ein Bild verbunden, das ich schon lange mit mir trage, weil es mich sehr beeindruckt hat. Ich muß so etwa zwölf Jahre alt gewesen sein, als ich zum ersten Mal den Roman “Der Name der Rose” des Autoren Umberto Eco gelesen, ach was, verschlungen habe, der in einer Abtei zu Beginn des 14. Jahrhunderts spielt. Die beiden Protagonisten des Buches, William von Baskerville und Adson von Melk, treffen relativ zu Beginn der Erzählung einen alten Bekannten Williams, den Mystiker Ubertin von Casale – d.h., sie finden ihn in der Klosterkirche ins Gebet vertieft. Doch, für mich damals sehr überraschend: der Mönch kniet nicht etwa – er liegt. Er liegt auf dem Bauch, lang ausgestreckt, die Arme ausgebreitet, das Gesicht und die Stirn auf dem harten, kalten Steinboden. Ein starkes Bild!

Wer liegt, ist sich seiner Wehrlosigkeit bewusst. Dies gilt besonders, wenn er “jemandem zu Füßen” liegt. Aus dieser Position lässt sich kaum verhandeln, geschweige denn, Forderungen stellen. Und auch wenn das “Liegen” offensichtlich auf einen Übersetzungslapsus Luthers zurückgeführt werden muss, trifft es doch gut die innere Haltung des Daniels, mit der er in einem Gebet der Buße vor Gott tritt.

Daniel weiß: Er ist Gott ausgeliefert. Er hat keine Position, aus der er mit Gott verhandeln könnte – niemand kann das. Gott ist souverän, und seine Entscheidungen bleiben uns oft unerklärlich. Also bleibt Daniel (und auch uns) nur, sich dieser Schutzlosigkeit bewusst zu werden und sich damit ganz bewusst in Gottes Hand zu geben. Nur Gottes Barmherzigkeit kann uns erretten – unser eigenes Bemühen ist zwar wichtig und notwendig, wäre aber bei weitem nicht ausreichend. Dieses Bewusstsein ist eine konkrete Form der Demut und der Gottesfurcht. Und es ist eine Motivation, Buße zu tun, also die eigene Position zu überprüfen, den eigenen Weg zu überdenken und ggf. umzukehren.

Noch ein anderer Gedanke kam mir in Bezug auf das “Liegen”. In einer anderen Bibelübersetzung lautet die Stelle: “Denn nicht aufgrund unserer Gerechtigkeiten legen wir unser Flehen vor dich hin, sondern aufgrund deiner vielen Erbarmungen.” (Revidierte Elberfelder) Ist es uns ein Herzensanliegen, dass Gott barmherzig mit uns sein möge? Liegen wir ihm mit dieser Bitte in den Ohren? Wie wichtig dies ist, darauf hat Jesus Christus selbst bereits eindrücklich hingewiesen.

Der Evangelist Lukas beschreibt zu Beginn des 18. Kapitels, wie Jesus ein Gleichnis erzählt, in dem ein ungerechter Richter einer alten Witwe (also einer in der damaligen Zeit schutzlosen Person) letztlich Recht gegen ihren Widersacher verschafft, weil die Frau einfach nicht locker gelassen hat. Jesus endet die Erzählung mit den Worten: “Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er’s bei ihnen lange hinziehen? Ich sage euch: Er wird ihnen Recht schaffen in Kürze.” Vielleicht ist nicht so wichtig, dass wir Tag UND Nacht rufen, aber – betest Du auch, wenn Du betest?

Übrigens: nächsten Mittwoch, den 19.11.2008, ist wieder Buß- und Bettag… Und gerade begreife ich, warum nicht nur Bußtag oder einfach Bettag ist – diese beiden Tätigkeiten sind eng miteinander verknüpft.



Nur nicht ablenken lassen… (Off.14,1)


… sondern sich lieber auf die wirklich dringenden Aufgaben konzentrieren – wer abgeholt wird, braucht schließlich keine Fahrpläne auswendig lernen. Es gibt Wichtigeres zu tun!

Einige Gedanken zum Gottesdienst am Mi., den 12.11.2008.

“Und ich sah, und siehe, das Lamm stand auf dem Berg Zion und mit ihm hundertvierundvierzigtausend, die hatten seinen Namen und den Namen seines Vaters geschrieben auf ihrer Stirn.” (Off.14,1)

Johannes, der Autor des letzten Buches des biblischen Kanons, wie wir ihn heute kennen, spricht gerne Rätseln, wie es sich schließlich für einen Propheten auch gehört. “Lamm”, “Berg Zion”, “144.000″, die “Namen” “geschrieben auf ihrer Stirn” – das alles ist höchst seltsam und verleitet dazu, sich intensiv damit zu beschäftigen. Irgendwie muss dieser Code doch zu knacken sein!

Seit langem wird immer wieder versucht, diese Begriffe jeweils mit einer verbindlichen, konkreten Deutung zu versehen. Beim “Lamm” ist dies recht einfach, denn nicht nur Johannes benutzt das Bild des Passahlammes aus den Berichten des Auszugs der Israeliten aus Ägypten, um zu verdeutlichen, dass wir nur durch das Opfer Jesu Christi gerettet werden – der Vergleich liegt ja auch nahe. Aber bereits am “Berg Zion” beginnt das Problem: Sicherlich ist damit nicht ein Teil der Altstadt Jerusalems gemeint, sondern diese Ortsangabe muss ebenso bildlich verstanden werden wie das “Lamm”. Aber wofür steht sie? Und wer gehört zu den “144.000″ – dieser ebenso symbolisch zu verstehenden “vollen Zahl”?

Gegenfrage: Ist das denn wirklich wichtig? Muss ich die Offenbarung tatsächlich so lesen wie einen Busfahrplan: Richtung “1. Auferstehung” ab Haltestelle “Berg Zion” um …? Muss ich mir sorgen machen, dass ich die Abfahrt verpasse, wenn ich mich nicht zur rechten Zeit am rechten Ort einfinde (der genannten Haltestelle)? Wohl kaum.

Auch wer letztlich zu den “144.000″ gehören wird, kann kein Mensch beantworten. Jesus Christus hat schon bei der Auswahl seiner engsten Vertrauten, der “Zwölf”, ganz eigene Maßstäbe angelegt und sich nicht von der Sündhaftigkeit des Zöllners Matthäus oder der Radikalität des Simon Zelotes irritieren lassen. Ja, selbst Judas wurde von Jesus berufen. Wer bei Jesu Wiederkunft angenommen wird und wer nicht – es liegt allein in Gottes Hand.

Leider standen gerade die Fragen “Wer? Wann? Wo? Wie genau?” beim Lesen der Offenbarung oft im Vordergrund, und nicht die eigentliche und glasklare Hauptaussage: “Jesus kommt wieder!” Mehr noch: “Jesus kämpft für Dich, denn Du bist ihm wichtig! Gott möchte Dir nahe sein!” Auf diese Dinge kommt es doch eigentlich an, und darauf sollten wir uns konzentrieren. Es bleibt daher müßig, irgendwelche “Zeichen der Zeit” aus der Offenbarung herauszudeuten, und es ist noch viel unsinniger, aus den wagen Visionen des Johannes einen detaillierten Ablaufplan aufstellen zu wollen – beides bringt uns der Wiederkunft Christi keinen Schritt näher; auch wird unsere eigene Teilnahme daran nicht dadurch abgesichert. Ganz im Gegenteil: Für manch einen schaffen diese “Informationen” u.U. eine trügerische Sicherheit. Noch aber haben wir uns im Hier und Jetzt als Nachfolger Jesu zu bewähren.

Lassen wir uns also von diesen Nebensächlichkeiten, auf die wir sowieso keinen Einfluss haben, nicht ablenken – als Christen dürfen wir auf Gottes Gnade vertrauen und haben nebenbei auch noch jede Menge wichtigere Aufgaben. Etwa: Zu schauen, wo wir für unseren Nächsten da sein können – und das ist jetzt nicht bildlich gemeint, sondern ganz konkret.



Achtung, Zombies! (1.Kor.15)


Oder warum mancheiner sich nicht mit dem Konzept der leiblichen Auferstehung der Toten anfreunden mag…

Einige Gedanken zu der Textpassage für den Gottesdienst am Mi., den 05.11.08.

“Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.” (1.Kor.15,20-21)

Die “Auferstehung der Toten” – das klingt nach einem schlechten B-Movie mit übersteigertem Makeup-Budget: ein bisschen gruselig, aber vor allem irgendwie getragen von einer grotesken Komik. Das dachten sich wohl auch einige der Gemeindemitglieder in Korinth (V.12), deren klassisch-hellenistisch gebildeter Verstand derartige Merkwürdigkeiten schlichtweg ablehnte. Paulus hält mit ebenso typisch-griechischer Logik dagegen: Jesus war ein wahrer Mensch, und er ist auferstanden – dafür gibt es jede Menge Zeugen (V.5-8) -, also muss eine Auferstehung von dem Tode zunächst einmal prinzipiell möglich sein.

Wer die Auferstehung dennoch kategorisch ablehnt, negiert damit also im Umkehrschluss de facto auch Jesu Auferstehung (V.16), was fatale Folgen hat, denn ein toter Heiland ist kein Heiland. Jesus Christus ist zwar am Kreuz für unsere Sünden gestorben und hat damit ein für allemal unsere Schuld auf sich genommen – dieses Opfer ist zwar nur “einmal gebracht”, aber “ewig gültig”, wie wir in jedem Gottesdienst hören können. Doch das Kreuz an sich bliebe ein bloßes Symbol, wenn wir nicht darauf hoffen könnten, dass ein lebendiger Christus vor Gott als Mittler für uns eintritt. (V.17) Das gilt nicht nur für die Lebenden, sondern auch für die Entschlafenen. (V.18)

Das 15. Kapitel des 1. Briefes an die Korinther liefert jedoch genügend Indizien, dass die angeschriebene Gemeinde noch an dem Glauben an Jesu Auferstehung festhält; Paulus kann diesen Umstand offensichtlich als gegeben voraussetzen. (V.20) Darauf baut er auf: Gleichwie die Menschheit sich mit dem Umstand, sterben zu müssen, abzufinden hat, seitdem der “erste Mensch” (Adam) gestorben ist, kann sie nun darauf hoffen, wiederaufzuerstehen, seit der erste Mensch, Jesus, auferstanden ist. (V.21-22) Jesus ist kein Einzel-, sondern ein Präzedenzfall. Das macht auch das Wort “Erstling” (V.23) deutlich: Der “Erste” steht zwangsläufig am Beginn einer Reihe – sonst wäre er der “Einzige”.

Was war dann aber das Problem? Wichtig in diesem Zusammenhang finde ich, dass die Juden und damit wohl auch die überwältigende Mehrheit der Judenchristen in den Urgemeinden ganz selbstverständlich an eine leiblich Auferstehung glaubten – womit wir wieder bei den B-Movies wären. Diese groteske Vorstellung scheint auch der eigentliche Knackpunkt aus Sicht der Korinther gewesen zu sein, denn Paulus geht zum Schluss des 15. Kapitels ganz intensiv darauf ein, wie wir uns die Auferstehung der Toten vorstellen können. (V35-49) Dabei bleibt er bei dem Konzept einer “leiblichen Auferstehung” (V.44), aber mit einem “geistlichen Leib”, der sich von dem “natürlichen Leib” in wichtigen Punkten unterscheidet. (V.42-43) Wichtigstes Merkmal: die Unverweslichkeit – also wird das wohl glücklicherweise nichts mit halbvergammelten Zombies im Stil der “Nacht der lebenden Toten”…

Letztlich läuft also wieder einmal alles auf die ökumenische Jahreslosung für 2008 hinaus: „Jesus Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben!“ (Joh14,19) Bloß wie, darüber können wir uns heute noch garkeine Vorstellungen machen – geschweige denn Worte finden.