Alessandro Manzoni: Die Brautleute

Mit den Klassikern aus Goethes Zeit stand ich bislang interessenbedingt eher auf Kriegsfuß, insbesondere, wenn sie in Schwartenstärke auftraten. Aber wenn einer der eigenen Lieblingsautoren — in meinem Fall Umberto Eco — des Lobs für ein Werk nicht müde wird, und wenn dann auch noch eine gefeierte Neuübersetzung des betreffenden Werks vorliegt, just von dem Übersetzer, der auch Ecos Werke ins Deutsche zu übertragen weiß — Burkhart Kröber — dann dürfte das Ergebnis einen Versuch mal wert sein, dachte ich mir. Ein Glück!

Worum geht es? In nuce: Man schreibt das Jahr 1628, und die Verlobten Lucia und Renzo, Bergler aus der Lombardei, wollen heiraten. Doch leider hat auch der fiese Fürst Don Rodrigo ein Auge auf Lucia geworfen und bringt den ängstlichen Ortsgeistlichen Don Abbondio dazu, die Trauung bis auf Weiteres zu verschieben, um Renzo in der Zwischenzeit außer Landes zu jagen. Gemeinsam mit Lucias Mutter Agnese spinnen die beiden Brautleute daraufhin eine List, um doch noch den Segen des Pfarrers zu erhalten.

Was als Bauernschwank beginnt, entpuppt sich als sehr abwechselungsreiches Lesevergnügen: dieser Roman ist gleichzeitig auch Geschichtsbuch und Sozialstudie, und der Autor (der nach Selbstauskunft nur ein Manuskript eines unbekannten Schriftstellers aus dem 17. Jh. verarbeitet) fügt viele interessante Anmerkungen ein, die sich bisweilen zu seitenlangen Abschweifungen entwickeln. Kritisch werden alle Schichten der Gesellschaft vorgestellt und beäugt, ohne dass die Zusammenhänge konstruiert werden müssen — die Geschichte fließt so leicht und fröhlich dahin wie die Adda, und dank schicksalshafter Wendungen bleibt es spannend bis zum Schluss. Unbedingte Leseempfehlung, wobei man für die 850 Seiten durchaus ein wenig Muße mitbringen sollte.

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