Brian D. McLaren: A generous orthodoxy

Mit der Rechtgläubigkeit ist es ja so eine Sache, speziell in religiösen Fragen. Anderen gesteht man dieses Prädikat selten zu, zumeist nur als Betitelung einer entsprechenden Schublade — z.B. “griechisch-orthodox” oder “ultraorthodoxe Juden” — und wenn einmal einem Einzelnen, dann eher in abwertender Form: der übertreibt es aber auch wirklich ein wenig.

Andererseits hat die Philosophie der Postmoderne zudem zu einer derartigen Relativierung aller Wahrheitsansprüche geführt, dass nur wenige junge Christen sich selbst heutzutage noch ernsthaft als “rechtgläubig” bezeichnen würden — und das zu Recht! Insofern ist der Titel von Brian McLarens Buch, “A generous orthodoxy”, natürlich eine kalkulierte Provokation; umso mehr, als der zugegebenermaßen etwas länglich anmutende Untertitel dann ausführt: “Why I am a missional, evangelical, post/protestant, liberal/conservative, mystical/poetic, biblical, charismatic/contemplative, fundamentalist/calvinist, anabaptist/anglican, methodist, catholic, green, incarnational, depressed-yet-hopeful, emergent, unfinished christian.” Ahja.

Nun könnte man meinen, dies solle das ziemlich langweilige Credo eines Christen werden, der versucht, es allen irgendwie recht zu machen. Diesen Eindruck möchte ich aber schnellstens wieder zerstreuen, denn bereits auf den ersten Seiten wird klar, dass man als Christ mit einer solchen Einstellung immer noch zwischen allen Stühlen sitzt und von jedermann weniger Lob als vielmehr Kritik erwarten darf. Insofern liegt hier für jeden, der sich darauf einlassen mag, ein vergnügliches Stück Apologetik vor — vergnüglich deshalb, weil es McLaren gelingt, in bester Manier der Dekonstruktion, jedes der im Untertitel aufgelisteten Adjektive überraschend auf seine ursprüngliche Bedeutung hin zurückzuführen. Das macht nicht nur Spaß zu lesen, es versetzt auch in jedem Kapitel wieder neue Denkanstöße.

Letztlich geht es McLaren nicht um ein Aufteilen der Welt in Gut und Böse, sondern um ein Betrachten der Zustände aus ungewohnten Blickwinkeln. Und so ist natürlich auch die selbstbehauptete “Rechtgläubigkeit” natürlich nicht durch irgendwelche Dogmen, sondern den Geist der Großherzigkeit definiert, was mir sehr gut getan hat — auch wenn ich nicht überall mit seinen Ansichten übereingestimmt habe. Aber wir wollen mal nicht so sein.

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