Tagzeilen no. 22

Kühl und schwer durch viele Hände gewandert. Viele Male zurechtgelegt auf dem beinahe fertig gedeckten Tisch neben die Gabeln mit dem gleichen geschwungenen Silbergriff. Immer wieder zu später Stunde mit der Klinge zuerst eingetaucht ins Spülwasser mit fernen, müden Gedanken an Gesprächsfetzen und Eindrücke – als wehte nach einem Tag am Fluss noch der Wind […]

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Quarkzeilen no. 1

Der kleine Kapitän verbrachte den Großteil seines Lebens nicht etwa auf einem Schiff, sondern auf einem großen Teller aus Esspapier. Jedenfalls war es einmal ein großer Teller gewesen, denn die hauptsächliche Ernährungsgrundlage des Kapitäns bestand aus eben jenem Esspapier, das ihn Tag für Tag über die Kanäle, Flüsse und Meere unserer Erde trug.

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Tagzeilen no. 16

Hier sitzen wir in einer Kirche. Und schweigen – mit hunderten. Während da draußen die Glocken läuten und ein Wagen übers Kopfsteinpflaster rast. Hier sitzen wir und halten die Verstörung aus. Und schweigen – unverordnet, spontan. Hier sitzen wir und erinnern uns und gedenken und verstehen immer noch nichts. Und schweigen – bedrückt. Hier sitzen […]

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Tagzeilen no. 15

Vor ein paar Wochen hast du zu mir gesagt: “Jetzt kommt der Frühling. Da wird alles leichter. Und heller.” Und wir haben genickt und uns lange angeschaut und gewusst, was wir meinen. Und dann? Bist du nach anderen Blumen schauen gegangen, deiner Sehnsucht folgend. Und während ich dir nachsah und mich erinnerte an all deine […]

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Ist das wirklich Eskapismus?

Vor ein paar Tagen erinnerte Antjes Blog mich an den schönen Ausdruck “Eskapismus”, mit dem Julia Friedrichs im ZEIT Magazin das Jahr 2015 einläutete. Laut Wikipedia ist Eskapismus eine Realitätsflucht, Wirklichkeitsflucht oder Weltflucht, die Friedrichs unter anderem im steigenden Konsum von Kreativ- und Landzeitschriften zu erkennen glaubt. Und was soll ich sagen: Beinahe ertappt fühlte […]

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Sonne von vorn

Ich will, Sonne, dass du wieder von vorn scheinst. Ins Gesicht. Dass du auf die geschlossenen Knospen scheinst und auf das darin Verborgene. Dass alles noch vor uns liegt, all die unangebrochenen Frühlingstage. Sonne, ich will, dass du auch dem ins Gesicht scheinst, der dich nur noch undeutlich und kühl im Rücken hat. Dessen unangebrochene […]

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Tagzeilen no. 14

Zum Bahnhof fahren statt nach Hause. Sich wiedersehen statt dann und wann telefonieren. Im Café sitzen statt am Schreibtisch. Den Himmel anschauen statt des Bildschirms. Gemeinsam kochen statt schnell noch Abendbrot. Zuhören statt abschalten. Staunen statt Langeweile.

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Tagzeilen no. 10

Es muss gar kein großartiges Menü sein. Kein rauschendes Fest heute. Keine Reden, kein Zurückblicken. Keine Festgarderobe. Es reichen die warmen Worte in sorgfältig gesetzten Buchstaben. Die getanzten Zeilen im Wohnzimmer. Die Blumen, die nach Herbst duften. Schritte nebeneinander in der untergehenden Sonne. Und die Sterne. Es reicht der halbe Mond heute.  

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Vertraut

Ein Glas Wein in einer kleinen Küche. Auf dem Esstisch unter dem Hängeschrank mit der Neonröhre.  Schokolade, tafelweise. Und alle Worte  gut aufgehoben, geschützt, gehört. Und Kirschen hinten aus dem Garten (oder Walnüsse) und eine Schale trag ich hoch vor den Fernseher, die knatschende Treppe hinauf mit ihrem roten Geländer. Und einen Krimi gucken und […]

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