Google Chrome revisited


Vor über zwei Jahren habe ich in aller Kürze ein paar erste Eindrücke zu Google Chrome geäußert, der zu diesem Zeitpunkt gerade neu erschienen war — um mich danach wieder Firefox zuzuwenden. Seit Anfang dieses Jahres, als ich mir ein Netbook von Asus als Reisecomputer zulegte, habe ich Chrome immer öfter verwendet. Erst nur von Zeit zu Zeit, eben ausschließlich auf besagtem Netbook, wegen der besseren Ausnutzung der geringen dort zur Verfügung stehenden Bildschirmfläche; seit einigen Monaten dann auch auf dem “großen” Laptop (aus dem gleichen Grund, aber daneben, weil ich mich so langsam an die Ergonomie gewöhnt und die vielen Plugins entdeckt hatte), und seit Oktober zusätzlich auf meinem Arbeitsplatzrechner und unserem Desktop-PC daheim.

Dass ich damit jetzt den kompletten Umstieg von Firefox zu Chrome vollzogen habe, dafür gab letztlich die fühlbar bessere Performance bei JavaScript-lastigen Webanwendungen den Ausschlag. Ich arbeite viel mit den Tools von Google selbst (also mit Webmail, Online-Textverarbeitung, Newsreader, Kalenderverwaltung, Maps und dem Linkverkürzer goo.gl), nutze aber beispielsweise mit YouTube, Twitter oder dem Nerd-Nachrichtenportal Slashdot auch des öfteren andere durch JavaScript stark dynamisierte  Websites. All diese Seiten profitieren spürbar von der hochoptimierten JavaScript-Engine, die eigentlich das Herz von Chrome ist.

Dazu kommt, dass Google es geschafft hat, seinen Browser so herrlich unaufdringlich zu gestalten. Updates geschehen leise im Hintergrund, Nachfragen an den Benutzer erfolgen dort, wo es notwendig ist. Ein einziges Eingabefeld wird für Internetaddressen und Suchbegriffe genutzt, wobei es sogar ermöglicht wird, damit neben den allgemeinen Suchmaschinen auch die spezielle einer bestimmten Website (wie YouTube) oder gar einen ganz eigenen Suchmechanismus zu nutzen — was mir auf der Arbeit die Bedienung unseres Issue-Tracking-Systems Jira stark vereinfacht. Und die (ja schon seit jeher gegebene und von mir vor 2 Jahren noch beargwöhnte) Eigenschaft, für jede Registerkarte einen eigenen Prozess zu starten, verhindert ziemlich zuverlässig, dass eine lahme oder fehlerhafte Webanwendung den gesamten Browser blockiert. Überhaupt lindert schon der Umstand, dass kein externes Plugin zur Anzeige von PDF-Dokumenten mehr notwendig ist, die schlimmsten Schmerzen.

Also alles gut? Fast – denn natürlich bleibt immer ein unterschwelliges, unangenehmes Gefühl der Unsicherheit, was Google, die alte böse Datenkrake, wohl mit den Informationen anstellen mag, die ein Browser heutzutage so zu Gesicht bekommt. Bei Google bemüht man sich zwar um ostentative Offenheit und Aufklärung der Anwender, aber zwischen den Datenschutzskandalen bei Facebook und Co. einerseits und der Stimmungsmache gegen Google StreetView andererseits bleibt natürlich unweigerlich ein Rest von Zweifel und Verunsicherung — zumal ja auch Google ein Unternehmen ist, das sein Geld hauptsächlich mit Werbung verdient und nur deswegen einen Browser und tausend tolle Webapplikationen kostenlos zur Verfügung stellen kann.

Aber diesen Trend kann man ja ebenfalls vielfältig beobachten: Produkt prinzipiell gut, doch Hersteller aus ideologischen Gründen oder anderen Bedenken ziemlich zweifelhaft. Nicht nur Facebook und Google, sondern auch Apple und Microsoft, Sony und Nokia, Kohle- und Kernkraft stellen uns offenbar nur noch vor die Wahl des geringeren Übels. Entscheidungen werden nicht mehr für ein bestimmtes Produkt, sondern gegen die subjektiv überwiegenden schlechten Eigenschaften der jeweiligen Konkurrenz getroffen. Übertragen auf den hier vorliegenden Fall heißt das: Googles inoffizieller Leitspruch “Don’t be evil” mit seinem absoluten Anspruch wird so schnell zu “Don’t be the greater evil” relativiert. Ob ihnen dies mit Chrome gelingt, muss dann letztlich jeder Nutzer selbst wissen. Ich für meinen Teil bin bereit, mich auf die zu erwartenden Nachteile einzulassen — zumindest für diesen Moment.



Die Weiße Hölle vom Piz Palü


Die Nordseite des Piz Palü. Die Bilder stammen von einer auf der Diavolezza stehenden Webcam und werden etwa alle 30 Minuten aktualisiert. Ich kann mich daran garnicht sattsehen.

Update: Nachdem jetzt leider schon über längere Zeit nicht mehr viel zu sehen war, habe ich das Bild durch einen Link ersetzt.



Michael Jackson, Pop-Ikarus


Es gibt vermutlich nur wenige Menschen, die in den 80ern ihre Kindheit verbrachten, ohne eine zumindest zeitweilige Phase der Bewunderung für Michael Jackson zu durchleben. Das  allererste Musikalbum in meinem Besitz war Bad, natürlich damals noch auf Kassette. Das Album erschien 1987 — da war ich 10 Jahre alt. Dass Michael Jackson jetzt so plötzlich und tragisch verstarb, versetzt mich also eher in eine Art Nostalgie, denn seit meinem musikalischen coming of age ab der Mitte der ’90er habe ich seinen Werdegang bzw. Abstieg nur noch am Rande in den Sensationsmeldungen der Boulevardpresse mitverfolgt.

Allerdings muss ich hinzusetzen, dass mich ohnehin die Musik an sich nur teilweise faszinierte, vor allem, weil ich schon damals per Stromgitarre erzeugte Töne bevorzugte. (Eins meiner nächsten Alben war The Razor’s Edge von AC/DC, heimlich vom eigenen Taschengeld gekauft. Das erschien 1990, woran man sieht, dass sich mein Musikkonsum noch arg in Grenzen hielt.) Die Gitarrenaffinität bewirkte auch, dass Dirty Diana mein Lieblingssong auf Bad war und blieb. Aber: Wenn ich die Musik nur so halbwegs mochte, was hat mich dann an Michael Jackson so nachhaltig beeindruckt?

Ganz einfach — sein Tanzstil.

Schaut man sich bspw. auf YouTube Musikvideos von Michael Jackson an, wird selbst ohne Ton deutlich, was für ein genialer Künstler dieser Mann war. Als Beispiel sei auf die Live-Performance zum 25-jährigen Bestehen des Motown-Records-Labels verwiesen — jeder Schritt sitzt. Die perfekten Choreografien wurden in der Regel zudem von Jackson selbst entworfen.

Über das, was dann ab den Neunzigern mit Michael Jackson geschah, habe ich mir schon öfters Gedanken gemacht. Mittlerweile glaube ich, dass Jackson, der ja durch seinen Vater bereits früh und hart zum Showstar gedrillt wurde, nie eine richtige Kindheit erleben durfte, und sich daher auf dem Höhepunkt seines Erfolgs versuchte, in das Paradies des Kindseins zurückzukaufen — etwa durch einen Affen als Haustier, Kooperationen mit Disneyland (wie dem Film Captain EO) und dem Erwerb der Rechte an sämtlichen Songs der Band seiner Kindheit, den Beatles. Ja, vielleicht war Michael Jacksons oft (und böswillig) als Pädophilie missgedeutete Kinderliebe, die sich auch in vielen humanitären Hilfsprojekten (“Heal the World“) ausdrückte, letztlich auch nichts mehr als dass: Ein gutgemeinter, kindlich-ungeschickter Versuch, anderen jungen Menschen ihre Kindheit so schön wie möglich zu gestalten.

Im Rückblick erscheint mir Michael Jacksons Leben wie eine Coverversion des Ikarus-Mythos: Um aus dem beengten Lebensumständen der unterdrückten schwarzen Minderheit in den USA der 60er Jahre auszubrechen, erschafft Vater Jackson seinen Kindern Flügel — die Musik. Sie einzusetzen erfordert allerdings hartes Training mit eiserner Diziplin: nicht zu hoch, nicht zu tief… Und wer weiß, vielleicht wollte ja auch die tragische Gestalt der Antike sich durch ihren “übermütigen” Aufstieg zu dicht an die Sonne lediglich dem unbarmherzigen Regime ihres Vaters Dädalus entziehen?



Xbox 1984


Spielekonsolen liegen eigentlich außerhalb meines Interesses, oder zumindest sehr weit am Rande — nicht, weil ich nicht gerne spielen würde, sondern, weil ich für diesen Zweck zumindest bis zum Erscheinen der Wii den PC aus pragmatischen (bereits vorhanden, kein Fernseher benötigt, vielfältige Eingabegeräte anschließbar und überhaupt vielseitiger) wie ästhetischen Gründen (wesentlich höhere Auflösung der Bilder) vorgezogen habe.

xbox1984 Doch was Microsoft jetzt mit Project Natal als Erweiterung der Xbox 360 auf der Computerspiel- Messe E3 der Öffentlichkeit vorgestellt hat, lies mich erst aufhorchen und dann, nach dem Sehen des offiziellen Werbeclips, zusammenzucken. Das Konzept kam mir… irgendwie vertraut vor.

Ein Gerät, das im Wohnzimmer steht und den Fernseher um einen Rückkanal erweitert? Das sich selbständig aktiviert, sobald jemand den Raum betritt (oder vielleicht nie wirklich aus ist — man weiß es nicht)? Das Gesichter und Stimmen voneinander unterscheiden kann? Das jede Aktion vor seinen elektronischen Augen und Ohren aufmerksam mitverfolgt? Na klar: Das ist der Telescreen, wie ihn George Orwell in seinem Roman Nineteen Eighty-Four beschreibt. Mit dem Unterschied, dass wir heute schon über die notwendige Software verfügen, um die gesammelten Daten automatisch auszuwerten — was die Xbox zu Entertainmentzwecken tut.

Ich will jetzt nicht in irgendwelche wilden Verschwörungstheorien abgleiten. Aber wie der Zufall es so will, haben wir bald (oder schon heute?) mit den diversen Gadgets alle technologischen Hilfsmittel in unseren Taschen und Wohnräumen, die einem Überwachungsstaat viel Arbeit abnehmen würden: Ob es nun die Mobiltelefone sind, die das lückenlose Protokollieren unseres Aufenthaltsortes ermöglichen (was mit Google Latitude sogar noch auf die Spitze getrieben werden kann), die öffentliche Preisgabe oder zumindest das bedenkenlose Abtreten persönlicher Daten, Fotos und Kontakte an Webplattformen wie Facebook und StudiVZ oder eben jetzt ein Einblick in das eigene Wohnzimmer.

Fehlt eigentlich nur so etwas wie Google Maps mit Street View in Echtzeit. Dieses Werkzeug ist bis jetzt noch den div. Regierungen vorbehalten — immerhin.



Schenken und Helfen


Schon mal Baumsetzlinge (30,-€) verschenkt? Oder eine Milchziege? (60,-€)

Auch wenn der Katalog auf der Website von WorldVision Deutschland (noch) nicht die Auswahl bietet wie das Pendant auf worldvision.ca, findet man doch auch hier viele schöne aber preisgünstige Dinge, die für Menschen in akuter Armut eine konkrete Hilfe bei der Bewältigung ihres Lebens darstellen können. Selbst wer sonst derartigen humanitären Hilfsorganisationen skeptisch gegenübersteht (“Wer weiß, wofür die das Geld ausgeben!?”) dürfte sich mit diesem Gedanken anfreunden können.

Und vielleicht wird dann auch in einem kleinen Dorf mitten in der afrikanischen Steppe in einem Monat: Weihnachten…



Google Chrome in 5 Minuten


…denn mehr Zeit habe ich gerade nicht.

  • Registerkarten als oberstes Gliederungselement des GUI und ein eigener Prozess für jede dieser Registerkarten halte ich für konsequent, aber auch mutig. Denn die Kehrseite der Medaille ist der erhöhte Speicherverbrauch.Google Chrome: About Memory
  • Diesen kann man gut überprüfen, indem man in der Adresszeile “about:memory” eingibt. Hier wird der Speicherverbrauch pro Prozess dargestellt. Besonders nett: Die Statistik führt zum Vergleich auch die anderen momentan laufenden Browser mit auf.
  • Sehr spannend daran ist, dass Webanwendungen, die von der gleichen Domain stammen, offenbar in einem gemeinsamen Prozess laufen dürfen und sich dadurch die genutzten Systemressourcen teilen können.

Ich finde diese Initiative vor allem deswegen begrüßenswert, weil dadurch Innovationen im Segment der Web-Browser forciert werden. Gerade moderne Webanwendungen, die versuchen, die aktuellen W3C-Standards zu implementieren, dürften davon profitieren. Der nächste folgerichtige und auch wünschenswerte Schritt wäre eine konsequente Unterstützung der Spezifikationen für das semantic web. Gerade der Suchmaschinenspezialist Google dürfte ein gesteigertes Interesse daran haben, dass Web-Content nicht nur oberflächlich (also im Bezug auf das Layout) aufbereitet, sondern auch inhaltlich (also im Bezug auf die Semantik) ausgezeichnet wird. Daneben fehlt Googles Chrome natürlich noch die Politur: Plug-Ins zur Unterstützung von Web-Development, Debugging und ein Ad-Blocker möchte ich mittlerweile nicht mehr missen.



Weezer: Pork and Beans


Freitag mittag, die Sonne scheint: Zur Einstimmung auf das nahende Wochenende gibt es mal was zur Entspannung: Das Video zum neuen Song von Weezer.

Wer die über YouTube verbreiteten Internet-Memes und viralen Videos verfolgt, dem dürfte ein Großteil der Akteure des neuen Weezer-Clips bekannt vorkommen. Weezer ist im Übrigen seit ihrem ersten Hit irgendwie mit dem IT-Umfeld verbandelt. So waren sie etwa auf den Windows95-CDROMs dabei — mit dem Video zu “Buddy Holly”.



Google Reader empfiehlt…


Berufsbezogene Blogs, die mir Google Reader bis jetzt bereits erfolglos empfohlen hat, meist auch noch mehrfach:

  • Taxifahrerblog
  • Pizzadienstblog
  • Totengräberblog
  • Kinderarztblog
  • Buchhändlerblog
  • Elektronikfachhändlerblog
  • Lehrerblog
  • Kellnerblog
  • Hausmeisterblog
  • Reisebüro… äh… Wie nennt man diese Leute? Berater? Naja, so ein Blog eben.

Nun warte ich natürlich schon sehnsüchtig auf die ersten Müllwerker, Sachbearbeiter, Raumpfleger, Zugbegleiter, Fleischereifachverkäufer, Callcenteragenten und Ordnungsamtsaußendienstmitarbeiter, die mich endlich an ihrem spannenden Berufsleben teilhaben lassen.

Darüberhinaus sind mir natürlich auch schon Zillionen von Produktivitätsblogs empfohlen worden. Das kann doch kein Mensch jemals lesen! Zumal es ja auch gar keinen Sinn machen würde, da sie größtenteils die ewig gleichen Tipps reiterieren. Vielleicht der eigentliche Sinn wie auch das Erfolgsgeheimnis dieser Onlineperiodika: Da der Leser ja offensichtlich gerade nicht produktiv ist, benötigt er wohl Abhilfe — oder zumindest die Illusion, er müsse nur ein paar Gewohnheiten ändern, um diesen Zustand zu ändern; so einfach ist das!

Um es klar und deutlich zu sagen: Dass es viele langweilige und blödsinnige Blogs gibt, war mir klar. Dieses hier gehört ja für die meisten Menschen auch zu dieser Gruppe. Und sicher wäre es mir lieb, wenn beizeiten neue Leser auf geeignete Weise darauf aufmerksam gemacht würden. Aber dann doch bitte auch solche, die sich für die Hauptthemen (Bücher, Musik, Filme, Religion) interessieren.

Das Empfehlungssystem von Google Reader ist jedenfalls noch nicht so toll. Vermutlich würde es schon helfen, wenn man die Benutzer dazu bringen würde, ihre abonnierten Feeds zu kategorisieren (einheitlich) und auf einer Beliebtheitskala zu sortieren. Anreiz auf Nutzerseite wäre dabei eine wesentlich übersichtlichere Präsentation neuer Artikel bei vielen Feeds.

Für weitere Empfehlungen bin ich natürlich immer dankbar. Und über das, was ich gern lesen mag, geben die von mir empfohlenen Artikel aufschluss (die sich seit eben übrigens auch ganz unten in der Sidebar finden lassen). Die komplette Blogroll kommt dann auch noch irgendwann.