Wer sich mal so richtig aussprechen will, muss zunächst einmal eines: sprechen!
Folge 3 in einer Serie von Gedanken zu einem gesunden Gebetsleben.
In der letzten Folge an dieser Stelle wurde besonders herausgestellt, wie wichtig es ist, sich zum Beten zurückzuziehen. Das ist nicht nur reiner Selbstschutz, sondern trägt auch dazu bei, die Nerven der anderen zu schonen. Denn ein meiner Ansicht nach wesentlicher Tipp zum Beten ist: Bete laut! Ja, genau – LAUT!
Dieses Vorgehen zwingt Dich nämlich dazu, Deinen Sorgen und Problemen, aber auch Deiner Freude wirklich Ausdruck zu verleihen. Du musst Deine Gedanken ordnen, um Sätze zu formulieren. Das mag Gott letztlich egal sein, da er schließlich auch in Dein Herz sehen kann – aber wir Menschen werden uns vieler Probleme erst richtig bewußt, wenn wir versuchen müssen, sie anderen zu erklären. Nicht selten erzeugt dies dann den einen oder anderen Geistesblitz, der uns bei der Lösung behilflich ist. Gleiches gilt auch umgekehrt für den positiven Fall: Ein nicht ausgesprochenes Lob ist faktisch wertlos. Gott hat Deinen Dank nicht nötig – aber Du hast es nötig, Dir immer wieder auf’s Neue bewußt zu werden, wie groß und gütig unser Vater im Himmel ist! Halleluja!
Ein netter Nebeneffekt des lauten Betens ist übrigens, dass man sich schnell darüber im Klaren ist, wie viele Floskeln und Phrasen man verwendet. Wendungen wie “er- und durchleben” sind kein Merkmal einer besonders heiligen Sprache; sie weisen vielmehr darauf hin, dass man Versatzstücke einfach recycelt anstatt seine Anliegen in passende Worte zu kleiden. Gott wird Dir nicht böse sein, solltest Du mehrmals ansetzen müssen, bis Du Worte gefunden hast, die Deinen Herzenszustand widerspiegeln. Aber Du tust Dir selbst einen Gefallen mit dem Versuch, Dein Inneres möglichst detailgetreu zu schildern. Dann erreicht Dein Gebet eine besondere Tiefe, und das Beten wird Dir nicht länger monoton, langweilig oder repetitiv erscheinen.
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