Nur nicht ablenken lassen… (Off.14,1)

… sondern sich lieber auf die wirklich dringenden Aufgaben konzentrieren – wer abgeholt wird, braucht schließlich keine Fahrpläne auswendig lernen. Es gibt Wichtigeres zu tun!

Einige Gedanken zum Gottesdienst am Mi., den 12.11.2008.

“Und ich sah, und siehe, das Lamm stand auf dem Berg Zion und mit ihm hundertvierundvierzigtausend, die hatten seinen Namen und den Namen seines Vaters geschrieben auf ihrer Stirn.” (Off.14,1)

Johannes, der Autor des letzten Buches des biblischen Kanons, wie wir ihn heute kennen, spricht gerne Rätseln, wie es sich schließlich für einen Propheten auch gehört. “Lamm”, “Berg Zion”, “144.000”, die “Namen” “geschrieben auf ihrer Stirn” – das alles ist höchst seltsam und verleitet dazu, sich intensiv damit zu beschäftigen. Irgendwie muss dieser Code doch zu knacken sein!

Seit langem wird immer wieder versucht, diese Begriffe jeweils mit einer verbindlichen, konkreten Deutung zu versehen. Beim “Lamm” ist dies recht einfach, denn nicht nur Johannes benutzt das Bild des Passahlammes aus den Berichten des Auszugs der Israeliten aus Ägypten, um zu verdeutlichen, dass wir nur durch das Opfer Jesu Christi gerettet werden – der Vergleich liegt ja auch nahe. Aber bereits am “Berg Zion” beginnt das Problem: Sicherlich ist damit nicht ein Teil der Altstadt Jerusalems gemeint, sondern diese Ortsangabe muss ebenso bildlich verstanden werden wie das “Lamm”. Aber wofür steht sie? Und wer gehört zu den “144.000” – dieser ebenso symbolisch zu verstehenden “vollen Zahl”?

Gegenfrage: Ist das denn wirklich wichtig? Muss ich die Offenbarung tatsächlich so lesen wie einen Busfahrplan: Richtung “1. Auferstehung” ab Haltestelle “Berg Zion” um …? Muss ich mir sorgen machen, dass ich die Abfahrt verpasse, wenn ich mich nicht zur rechten Zeit am rechten Ort einfinde (der genannten Haltestelle)? Wohl kaum.

Auch wer letztlich zu den “144.000” gehören wird, kann kein Mensch beantworten. Jesus Christus hat schon bei der Auswahl seiner engsten Vertrauten, der “Zwölf”, ganz eigene Maßstäbe angelegt und sich nicht von der Sündhaftigkeit des Zöllners Matthäus oder der Radikalität des Simon Zelotes irritieren lassen. Ja, selbst Judas wurde von Jesus berufen. Wer bei Jesu Wiederkunft angenommen wird und wer nicht – es liegt allein in Gottes Hand.

Leider standen gerade die Fragen “Wer? Wann? Wo? Wie genau?” beim Lesen der Offenbarung oft im Vordergrund, und nicht die eigentliche und glasklare Hauptaussage: “Jesus kommt wieder!” Mehr noch: “Jesus kämpft für Dich, denn Du bist ihm wichtig! Gott möchte Dir nahe sein!” Auf diese Dinge kommt es doch eigentlich an, und darauf sollten wir uns konzentrieren. Es bleibt daher müßig, irgendwelche “Zeichen der Zeit” aus der Offenbarung herauszudeuten, und es ist noch viel unsinniger, aus den wagen Visionen des Johannes einen detaillierten Ablaufplan aufstellen zu wollen – beides bringt uns der Wiederkunft Christi keinen Schritt näher; auch wird unsere eigene Teilnahme daran nicht dadurch abgesichert. Ganz im Gegenteil: Für manch einen schaffen diese “Informationen” u.U. eine trügerische Sicherheit. Noch aber haben wir uns im Hier und Jetzt als Nachfolger Jesu zu bewähren.

Lassen wir uns also von diesen Nebensächlichkeiten, auf die wir sowieso keinen Einfluss haben, nicht ablenken – als Christen dürfen wir auf Gottes Gnade vertrauen und haben nebenbei auch noch jede Menge wichtigere Aufgaben. Etwa: Zu schauen, wo wir für unseren Nächsten da sein können – und das ist jetzt nicht bildlich gemeint, sondern ganz konkret.

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