Eine Stimme, ein Sinn, eine Meinung

Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr alle mit einer Stimme redet und lasst keine Spaltungen unter euch sein, sondern haltet aneinander fest in einem Sinn und in einer Meinung. (1. Kor.1,10)

Aus heutiger Sicht ist es bedauerlich, dass die Warnung des Apostels nicht gefruchtet hat. 2000 Jahre Christentum haben eine bereits nicht mehr überschaubare Menge an verschiedenen Splittergruppen hervorgebracht. Nicht selten waren es Kleinigkeiten, die eine vormals so eng miteinander verbundene Gemeinschaft gespalten haben: die Observanz eines Gebötleins hier oder eine Auslegungsdifferenz dort. Doch häufig waren diese Gründe nur vorgeschoben, während es in Wirklichkeit um Macht und Einfluß ging. Zu oft wurde der innere Zusammenhalt einer Gemeinschaft gestärkt, indem man sich nach außen abgegrenzt hat. Und heute haben wir uns derart an die Fragmentierung der Christenheit gewöhnt, dass wir meinen, eine “Ökumene der Profile” sei ein erstrebenswerter Idealzustand! Doch ist dies nichts anderes als eine Kapitulation vor unserer Unfähigkeit, auch diejenigen als vollwertige Schwestern und Brüder anzunehmen, die eine andere Meinung in Glaubensfragen vertreten oder zumindest andere Schwerpunkte setzen.

Dabei könnte alles so einfach sein, wenn… Ja, wenn die Christen verschiedener Denomination nicht ihr jeweiliges Glaubensprofil (manchmal auch als Selbstbild bezeichnet) in den Mittelpunkt ihres Denkens und Handelns stellen würden, sondern den, dem dieser Platz eigentlich vorbehalten sein sollte: Jesus Christus. Und der betet:

“Ich bin jetzt auf dem Weg zu dir. Ich bleibe nicht länger in der Welt, aber sie bleiben in der Welt. Heiliger Vater, bewahre sie in deiner göttlichen Gegenwart, die ich ihnen vermitteln durfte, damit sie eins sind, so wie du und ich eins sind. […] Ich bete nicht nur für sie, sondern auch für alle, die durch ihr Wort von mir hören und zum Glauben an mich kommen werden. Ich bete darum, dass sie alle eins seien, so wie du in mir bist, Vater, und ich in dir. So wie wir sollen auch sie in uns eins sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen die gleiche Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins sind, so wie du und ich. Ich lebe in ihnen und du lebst in mir; so sollen auch sie vollkommen eins sein, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und dass du sie, die zu mir gehören, ebenso liebst wie mich.” (Joh.17,11.20-23)

Die sich ergebende Frage darf nicht sein, welche speziellen Gebötlein, welche Bibelauslegung diesem Wunsch Christi noch im Wege stehen. Die Frage muss lauten: Warum?

Portishead: Von damals bis jetzt

Als einen Nachtrag zur untenstehenden Rezension des neuen Portishead-Albums möchte ich meinem geneigten Leser noch ein paar audiovisuelle Eindrücke des künstlerischen Werdegangs dieser Band mit auf den Weg geben. Chronologisch geordnet:

  • Das Video zum Track “Glory Box” vom Erstling “Dummy”. Bitte im Hinterkopf behalten, das Album erschien 1994, das Video zu dieser Singleauskopplung ein Jahr später. Das sollte den “Stil” hinreichend entschuldigen.
  • 3 Jahre nach “Dummy” erschien “Portishead” als zweites Album, aus dem ebenfalls 1997 die Single “Over” ausgekoppelt wurde. In meinen Augen ein Paradebeispiel für TripHop und mit einem sehr schönen Video ausgestattet.
  • Mein absoluter Lieblingssong der Band ist und bleibt: “Roads”, ebenfalls vom Album “Dummy”. Am schönsten ist eigentlich die im Live-Konzert im Roseland in New York aufgeführte Adaption mit Untermalung durch ein Streichorchester. Einziges Manko: die frenetischen Fans: Amis eben.
  • Ein wirklich sehenswertes Kunstwerk ist auch das Video zu “Mysteries” von Beth Gibbons’ Soloprojekt “Out of Season”. Einfach nur wunderschön…
  • Der krasse Gegensatz zu dieser Ballade ist, wie schon angedeutet, “Machine Gun” vom aktuellen Album “Third”. Die Minimalität der Musik wie auch der Videoproduktion geht hier an meine persönlichen Grenzen — von einer anderen Band würde ich mir das wohl nicht unbedingt bieten lassen. Andererseits: Es wird mit jedem Mal besser!

Portishead: Third

Es groovt nicht mehr — oder?! Nunja, vielleicht liegt das auch an mir, schließlich bin ich auch nicht groovier geworden, sondern ca. 10 Jahre älter. Und nebenbei sollte obiges Statement ja wirklich auch nur eine ganz neutrale, sachliche Feststellung sein — ebenso sachlich und neutral wie die Beat-Patterns und Samples des zwar langersehnten, aber schon längst nicht mehr erhofften dritten Portishead-Albums an mir vorbeifließen. Denn mein erster Höreindruck war: Mehr Elektronik, weniger Emotion. Und doch trifft das so nicht ganz, schließlich betört und verzaubert Ms. Gibbons’ schwaches, dünnes, zitterndes Stimmlein immer noch, weckt durch angedeutete Fragilität den Beschützerinstinkt — wie etwa in “The Rip”, das nicht wenig an ihr jedem Melancholiker extrem an’s Herz zu legendes Solo-Album “Out of Season” erinnert.

Aber auf instrumentaler Seite wird eben etwa durch die Arpeggien in diesem Song, wie auch die Breaks in “Hunter”, die vielfach viel zu geraden Rhythmen, und die Tatsache, dass die Hammond-Orgel allerorten die Verdrängung durch den Synthesizer hinnehmen muss: aus diesem Album glücklicherweise etwas Neues, Frisches, Überraschendes. Sicherlich nicht den Hörgewohnheiten der Zeit angepasst; der Elektro-Mainstream ist immer noch weit entfernt — doch zugewandt. Und selbst härtere Songs wie “Machine Gun” klingen irgendwie erstaunlich gut (und daneben am Ende ein wenig nach Radiohead).

Einziges echtes Manko: Diese Scheibe ist derart heterogen, dass ich sie wohl nicht als Nebenbei-Gedudel auflegen mögen würde. Das hat sie aber auch nicht verdient. Mir gefällt’s.

Frühlingstag

Herr: es ist Zeit. Der Winter war sehr groß.
Leg die Eiszapfen in den Schmelztiegel,
und auf den Wiesen lass die blauen Bänder los.

Befiehl den letzten Flocken voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei nördlichere Tage,
dränge sie zum Niederschlag hin und jage
die letzte Nässe in den grauen Hain.

Wer noch ein Iglu hat, erfriert nicht mehr.
Wer jetzt verliebt ist, wird es gerne bleiben;
wird lachen, herzen, Liebesbriefe schreiben,
und wird auf den Lichtungen sonnengewärmt
ganz entspannt sitzen, wenn die Knospen treiben.

(nach Rainer Maria Rilkes “Herbsttag” und einer Idee von E. Vietz)

Robert Harris: Imperium

Marcus Tullius, genannt Cicero, möchte Konsul werden. Aber dieses höchste politische Amt Roms begehren viele. Und leider lassen sich Wähler nicht allein durch gute Reden auf dem Forum überzeugen, sondern auch mittels finanzieller Zuwendungen. Dumm nur, wenn man sich als “Mann des Volkes” bereits frühzeitig die Aristokraten und Superreichen zum Feind gemacht hat…

Sehr spannend verarbeitet Robert Harris in diesem Buch historischen Stoff, nämlich das Leben und Werk des Anwalts, Redners und Senators Cicero zur Zeit der Römischen Republik (also: vor Caesar). Harris läßt sich dabei angenehm wenige dichterische Freiheiten, denn er hält sich strikt an historische Quellen und zeitgeschichtliche Hintergründe. Es gelingt dem Autor dadurch, ein atmosphärisch dichtes Bild vom Leben im Rom 70-60 v. Chr. zu zeichnen. Aus historischer Sicht schneidet dieses Buch nach meinem Empfinden sogar noch besser ab als Harris’ früheres Werk “Pompeji”.

Doch: Obwohl ich es begrüße, dass hier der historischen Realität der Vorzug vor einer journalistischen Verklärung gegeben wird, wirkte der erzählerische Bruch in der Mitte des Buchs (einige “langweilige” Jahre werden einfach übersprungen) und das abrupte Ende auf mich etwas roh und unfertig. Mit etwa 300 Seiten ist das Buch auch nicht so umfangreich, dass derartig rabiate Kürzungen notwendig wären. Der Eindruck des Unvollendetseins wird zudem noch dadurch verstärkt, dass sich der Ich-Erzähler div. Exkurse und Wiederholungen gönnt. Das kann bzw. wird durchaus auch ein bewußt gewähltes Stilmittel sein – bei mir bremste es aber etwas die Lesemotivation. Nichtsdestotrotz hoffe ich aber auf eine Fortsetzung – man munkelt ja, Harris würde an einer dreiteiligen Serie über das Leben im alten Rom arbeiten…

(Der Artikel bei Amazon.de)

Was ist die Seele?

“Die Seele ist wie ein Fenster. Man sieht es selbst nicht, man sieht nicht dessen Offenheit für Licht, sondern man sieht das hineinströmende Licht; aber dass man es sieht, verdankt sich der unsichtbaren Offenheit des Fensters. Je mehr man das Fenster selbst sieht, z.B. weil es verschmutzt oder zerkratzt ist, desto weniger ist es noch, was es sein soll: Offenheit für Licht. Die Seele ist Offenheit für die Wirklichkeit.” (Quelle)

Hello world!

So, dann woll’n wir mal. Wieder.

Nach meinem etwas glück zeitlosen Versuch, beim Blogspot ein hippes Onlinetagebuch zu etablieren, der allerdings nicht nur mangels Freizeit, sondern auch mangels Themen eher still im Sande verlief (und daher hier auch nicht weiter mit einem Link beehrt wird), jetzt ein Test mit einem eigenen Blog. Unter WordPress.

Allein die Konfigurierbarkeit dieser Software wird mich hoffentlich lange genug fesseln können, um von Zeit zu Zeit mal einen Testeintrag einzustellen.

Viel Spaß beim Lesen.