Portishead: Third

Es groovt nicht mehr — oder?! Nunja, vielleicht liegt das auch an mir, schließlich bin ich auch nicht groovier geworden, sondern ca. 10 Jahre älter. Und nebenbei sollte obiges Statement ja wirklich auch nur eine ganz neutrale, sachliche Feststellung sein — ebenso sachlich und neutral wie die Beat-Patterns und Samples des zwar langersehnten, aber schon längst nicht mehr erhofften dritten Portishead-Albums an mir vorbeifließen. Denn mein erster Höreindruck war: Mehr Elektronik, weniger Emotion. Und doch trifft das so nicht ganz, schließlich betört und verzaubert Ms. Gibbons’ schwaches, dünnes, zitterndes Stimmlein immer noch, weckt durch angedeutete Fragilität den Beschützerinstinkt — wie etwa in “The Rip”, das nicht wenig an ihr jedem Melancholiker extrem an’s Herz zu legendes Solo-Album “Out of Season” erinnert.

Aber auf instrumentaler Seite wird eben etwa durch die Arpeggien in diesem Song, wie auch die Breaks in “Hunter”, die vielfach viel zu geraden Rhythmen, und die Tatsache, dass die Hammond-Orgel allerorten die Verdrängung durch den Synthesizer hinnehmen muss: aus diesem Album glücklicherweise etwas Neues, Frisches, Überraschendes. Sicherlich nicht den Hörgewohnheiten der Zeit angepasst; der Elektro-Mainstream ist immer noch weit entfernt — doch zugewandt. Und selbst härtere Songs wie “Machine Gun” klingen irgendwie erstaunlich gut (und daneben am Ende ein wenig nach Radiohead).

Einziges echtes Manko: Diese Scheibe ist derart heterogen, dass ich sie wohl nicht als Nebenbei-Gedudel auflegen mögen würde. Das hat sie aber auch nicht verdient. Mir gefällt’s.

Frühlingstag

Herr: es ist Zeit. Der Winter war sehr groß.
Leg die Eiszapfen in den Schmelztiegel,
und auf den Wiesen lass die blauen Bänder los.

Befiehl den letzten Flocken voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei nördlichere Tage,
dränge sie zum Niederschlag hin und jage
die letzte Nässe in den grauen Hain.

Wer noch ein Iglu hat, erfriert nicht mehr.
Wer jetzt verliebt ist, wird es gerne bleiben;
wird lachen, herzen, Liebesbriefe schreiben,
und wird auf den Lichtungen sonnengewärmt
ganz entspannt sitzen, wenn die Knospen treiben.

(nach Rainer Maria Rilkes “Herbsttag” und einer Idee von E. Vietz)

Robert Harris: Imperium

Marcus Tullius, genannt Cicero, möchte Konsul werden. Aber dieses höchste politische Amt Roms begehren viele. Und leider lassen sich Wähler nicht allein durch gute Reden auf dem Forum überzeugen, sondern auch mittels finanzieller Zuwendungen. Dumm nur, wenn man sich als “Mann des Volkes” bereits frühzeitig die Aristokraten und Superreichen zum Feind gemacht hat…

Sehr spannend verarbeitet Robert Harris in diesem Buch historischen Stoff, nämlich das Leben und Werk des Anwalts, Redners und Senators Cicero zur Zeit der Römischen Republik (also: vor Caesar). Harris läßt sich dabei angenehm wenige dichterische Freiheiten, denn er hält sich strikt an historische Quellen und zeitgeschichtliche Hintergründe. Es gelingt dem Autor dadurch, ein atmosphärisch dichtes Bild vom Leben im Rom 70-60 v. Chr. zu zeichnen. Aus historischer Sicht schneidet dieses Buch nach meinem Empfinden sogar noch besser ab als Harris’ früheres Werk “Pompeji”.

Doch: Obwohl ich es begrüße, dass hier der historischen Realität der Vorzug vor einer journalistischen Verklärung gegeben wird, wirkte der erzählerische Bruch in der Mitte des Buchs (einige “langweilige” Jahre werden einfach übersprungen) und das abrupte Ende auf mich etwas roh und unfertig. Mit etwa 300 Seiten ist das Buch auch nicht so umfangreich, dass derartig rabiate Kürzungen notwendig wären. Der Eindruck des Unvollendetseins wird zudem noch dadurch verstärkt, dass sich der Ich-Erzähler div. Exkurse und Wiederholungen gönnt. Das kann bzw. wird durchaus auch ein bewußt gewähltes Stilmittel sein – bei mir bremste es aber etwas die Lesemotivation. Nichtsdestotrotz hoffe ich aber auf eine Fortsetzung – man munkelt ja, Harris würde an einer dreiteiligen Serie über das Leben im alten Rom arbeiten…

(Der Artikel bei Amazon.de)

Was ist die Seele?

“Die Seele ist wie ein Fenster. Man sieht es selbst nicht, man sieht nicht dessen Offenheit für Licht, sondern man sieht das hineinströmende Licht; aber dass man es sieht, verdankt sich der unsichtbaren Offenheit des Fensters. Je mehr man das Fenster selbst sieht, z.B. weil es verschmutzt oder zerkratzt ist, desto weniger ist es noch, was es sein soll: Offenheit für Licht. Die Seele ist Offenheit für die Wirklichkeit.” (Quelle)

Hello world!

So, dann woll’n wir mal. Wieder.

Nach meinem etwas glück zeitlosen Versuch, beim Blogspot ein hippes Onlinetagebuch zu etablieren, der allerdings nicht nur mangels Freizeit, sondern auch mangels Themen eher still im Sande verlief (und daher hier auch nicht weiter mit einem Link beehrt wird), jetzt ein Test mit einem eigenen Blog. Unter WordPress.

Allein die Konfigurierbarkeit dieser Software wird mich hoffentlich lange genug fesseln können, um von Zeit zu Zeit mal einen Testeintrag einzustellen.

Viel Spaß beim Lesen.