Quarkzeilen no. 2

Es ist nicht so, dass der kleine Kapitän sich seines Dilemmas nicht bewusst gewesen wäre: Eines Tages würde er entscheiden müssen, ob er nun den letzten Bissen seines Tellers verspeisen und mit der daraus gewonnenen Energie soweit schwimmen sollte, wie ihn das Meer trug. (Er fragte sich dabei durchaus, ob er sich dann vor dem Essen schonmal seine rote Badehose anziehen sollte.) Er könnte auf diesen Bissen natürlich auch verzichten, stattdessen hungern und auf ein Wunder hoffen. Auf ein Esspapiertellerwunder. Doch wann immer dem kleinen Kapitän diese Frage im Kopf herumspukte, sagte er sich, er werde dann schon wissen, was zu tun sei. Bis dahin setzte er jeden Morgen die Segel am Zahnstocher in der Mitte seines Tellers, wusch jeden zweiten Tag nach dem Mittagessen seine Kapitänsjacke im Meerwasser und legte sich in Badehose an Deck, wo er ein Nickerchen hielt, bis die Jacke im Sonnenschein getrocknet war. Man muss nämlich wissen, dass der kleine Kapitän nur auf jenen Meeren, Kanälen und Flüssen schipperte, über denen stets die Sonne schien und kein Tropfen Regen fiel. Wasser von oben hätte dem Esspapier nur geschadet.

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