Sei Dein eigener Kreativdirektor (Kleines 1×1 des Betens, Folge 4)

“Ich bin klein, mein Herz ist rein, ich will auch immer artig sein!” bzw. “…soll niemand drin wohnen als Jesus allein!” oder “Komm, Herr Jesus, sei unser Gast…” – vermutlich haben die meisten Christen als Kinder das Beten gelernt, in dem sie mit geschlossenen Augen und gefalteten Händen gereimte Sätze (nach-) gesprochen haben. Das ist sicherlich für den Anfang auch genau die richtige Vorgehensweise. Kein Erwachsener würde sich aber dauerhaft auf die oben als Beispiele angeführten Gebete beschränken wollen. Trotzdem beten viele immer wieder in den ihnen gewohnten Phrasen, was zu ähnlich formelhaften Ergebnissen führt. Warum eigentlich?

Meine Vermutung: Simultan nachzudenken und zu sprechen stellt eine ziemliche Herausforderung dar (insbesondere für Männer), etwas quasi auswendig dahersagen fällt dagegen leichter (zumal, wenn es auf die Genauigkeit nicht so sehr ankommt). Wer schon einmal eine Stegreifrede halten musste, weiß vielleicht, was ich meine – das ist i.d.R. viel schwieriger als ein vorbereiteter Vortrag. Deswegen werden wir – da es ja beim Beten nicht so drauf ankommt – schnell mal faul und klammern wir uns an Altbewährtes. Es kommt aber drauf an! Das Problem in diesem speziellen Fall ist nämlich: Gebete nutzen sich ab. Wer hätte sich nicht schon beim Beten des “Vater Unser” dabei ertappt, wie der Mund die Worte mitspricht, während sich der Geist sich anderen Dingen zuwendet? Wichtig sind aber letztlich nicht die ausgesprochenen Worte, sondern die Bewegung, die dazu durch Herz und Geist geht.

Dass es daher zum Erreichen eines intensiven Gebetslebens notwendig ist, eigene, passende Umschreibungen für den inneren Gefühlszustand zu finden, ist vor einigen Tagen schon angeklungen, als es darum ging, laut zu beten. Die Frage, was eigentlich momentan mit mir genau los ist, dürfte in den meisten Fällen schon schwierig zu beantworten sein. Noch interessanter wird es allerdings, wenn es darum geht, was unser himmlischer Vater denn konkret verändern könnte, um mir zu helfen. Doch Bitten haben wir meistens sowieso schon viel zu viele, und auch die Fürbitten für unseren näheren Verwandten- und Bekanntenkreis dürften relativ leicht fallen – wobei ich auch hier vor der simplen Pauschalisierung warnen möchte. (“Und hilf doch bitte den Kreuzesträgern.”) Daneben gibt es aber noch ein paar andere Möglichkeiten:

  1. Für jemanden bitten, an den man noch nie gedacht hat: Jeden Tag treffen wir diverse Personen, die wir zwar schon irgendwie zu unserem Bekanntenkreis zählen dürfen, aber noch nie in einem Gebet bedacht haben. Such Dir einen dieser Mitmenschen aus, und überleg Dir, wie Gott ihr helfen könnte. Was wünscht sie sich? Was macht ihr Sorgen? Das ist ein guter Anlass, sich mal näher mit diesem Menschen zu beschäftigen und gleichzeitig die Fürbitte zu üben.
  2. Bewusst danken: Es ist nicht ganz leicht, sich bewusst zu machen, was man in den letzten Tagen alles Gutes erlebt hat. Auch hier lohnt es sich, intensiv darüber nachzudenken, in welcher Form Gottes Hilfe dazu beigetragen haben könnte. Das dürfen gerne auch Kleinigkeiten sein – nur halt nicht immer die gleichen. (Achtung: Gewohnheit!) Als Ausgangspunkt für Einsteiger eignen sich dazu die von Stammapostel Leber auf dem Jugendtag in NRW angeführten Beispiele – viele der Dinge, die für uns hierzulande nichts Besonderes mehr darstellen (Religionsfreiheit, um nur ein Beispiel zu nennen), sind in anderen Gebieten garnicht möglich. Das bietet also nicht nur den Anlass für Dankbarkeit, sondern auch für weitere, konkrete Fürbitten.
  3. Überschwenglich loben: Mal ernsthaft – gehört der Lobpreis Gottes zu Deinem persönlichen Gebet? Ich tue mich damit häufig ziemlich schwer, besonders, wenn ich allein bete. Dabei könnte man da eigentlich mal so richtig die Sau rauslassen! Der Trick: Nicht irgendwelche Wortungetüme wie “wundervoller”, “gütiger, treuer” oder “allmächtiger” (…Vater) versuchen zu benutzen, die Dir sonst nicht über die Lippen kämen – dadurch wirst Du auch nicht heiliger. Finde lieber Deine eigenen Worte – das macht viel mehr Spaß! Gott rockt einfach total, und das darf man ihm auch ruhig mal so sagen.

Hmm, Du erlebst momentan aber nichts, wofür Du Gott danken oder loben könntest? Auf diese Problematik möchte ich später noch eingehen, sie würde diesen Beitrag sprengen.

No Comments, Comment or Ping

Reply to “Sei Dein eigener Kreativdirektor (Kleines 1×1 des Betens, Folge 4)