Stille – Gastfreundschaft – Gebet


Henri J.M. Nouwen, zu seinen Lebzeiten u.a. Pastoraltheologe und geistlicher Mitarbeiter der “Arche”, führt in 3 grundlegende Prinzipien des christlich-spirituellen Lebens ein:

  • Stille (in Abgrenzung zur Einsamkeit): Ein inniges Alleinseinkönnen mit sich selbst
  • Gastfreundschaft bzw. Gastfreiheit: Eine geistige Haltung als Voraussetzung für alle zwischenmenschlichen Kontakte
  • Gebet: Eine vor allem innere Hinwendung zu Gott, die sich klar von Illusion oder stark esoterisch geprägten Meditationsformen abgrenzen will und das wichtigste Element jeder christlichen Gemeinschaft sein sollte.

Das Buch hat mich – auch wegen z.T. wohl nicht ganz günstiger Übersetzung aus dem Niederländischen – eine längere Zeit begleitet, ehe ich es durchgelesen hatte. Insbesondere beim Thema Gebet bin ich noch gedanklich am Knacken, stimme aber tendenziell eher zu. Gemeinschaft, Brotbrechen und Apostellehre sind nach den Worten Jesu nicht wegzudenken. Ob nun das Gewicht auf Gebet gelegt werden muss, kann man diskutieren. Würd mich über Kommentare zu dieser Frage freuen.



Dietrich Bonhoeffer: Protest


Trachtet nach dem, was auf Erden ist! Daran entscheidet sich heute viel, ob wir Christen Kraft genug haben, der Welt zu bezeugen, dass wir keine Träumer und Wolkenwandler sind. Dass wir nicht die Dinge kommen und gehen lassen, wie sie sind; Dass unser Glaube wirklich nicht das Opium ist, das uns zufrieden sein lässt inmitten einer ungerechten Welt. Sondern dass wir, gerade weil wir trachten nach dem, was droben ist, nur umso hartnäckiger und zielbewusster protestieren auf dieser Erde. Protestieren mit Worten und Taten, um jeden Preis voran zu führen. Muss es denn so sein, dass das Christentum, das einstmals so revolutionär begonnen, nun für alle Zeiten konservativ ist? Dass jede neue Bewegung ohne die Kirche sich Bahn brechen muss, dass die Kirche immer erst zwanzig Jahre hinterher einsieht, was eigentlich geschehen ist?

(Dietrich Bonhoeffer in einer Predigt aus dem Jahr 1932)



Klaus Berger: Glaubensspaltung ist Gottesverrat


Es gibt Bücher, die bleiben, während andere an ihnen vorbeiziehen, lange Zeit auf dem ersten Platz der Queue “Unbedingt als nächstes lesen” stehen. Nicht, weil man sie eigentlich doch nicht so gern lesen will, sondern da man weiß, dass man sich auch wirklich dezidiert Zeit dafür nehmen müsste. Vier Monate lang immer nur die selben dreieinhalb Seiten vor dem Einschlafen zu lesene, um sie am nächsten Morgen wieder vergessen zu haben (wie bei Tintentod), ist bei manchen Büchern einfach nicht drin. Bei mir fallen die meisten Kandidaten für dieses Phänomen des Leseaufschubs in die Kategorie “Sachbücher” — “The Purpose Driven Life” von Rick Warren ist etwa so ein Fall.

Ein anderes Buch, welches seit letztem Herbst schon das Regal ziert, jetzt aber aus aktuellem Anlass endlich mal zur Hand genommen und durchgearbeitet wird, ist “Glaubensspaltung ist Gottesverrat” von Klaus Berger. Das Vorwort und die beiden einleitenden Kapitel habe ich letzte Woche mehrfach gelesen und beschlossen, hier nicht nur eine einfache Rezension zu liefern (denn das hat auch Folkmar auf der Website von ad fontes schon ganz gut geschafft), sondern vielmehr die einzelnen Argumente zu präsentieren und zu diskutieren.

“Der Skandal ist nicht nur die Spaltung, der größere Skandal ist, dass Christen sich quer durch alle Konfessionen damit abgefunden haben. Dem Verrat am expliziten Willen Jesu muss endlich Einhalt geboten werden. Ich versuche zu zeigen, wie das geschehen kann.”

Dieser Klappentext macht Lust auf mehr, und als ich am Freitagabend das Buch aufschlug, fiel er mir nochmals besonders in’s Auge — fasst er doch auch perfekt zusammen, was ich selbst zwei Tage zuvor geschrieben hatte. Darüberhinaus ist der Exeget Klaus Berger eine, wie er selbst schreibt, ökumenische Person: Katholisch im Herzen, im Denken dagegen eher evangelisch, in der Lehre jedoch ganz der Heiligen Schrift verpflichtet. Sein Buch wider die Kirchen-, ja, Glaubensspaltung thematisiert also im Hintergrund auch die Selbstspaltung, von der all jene betroffen sind, die sich nicht durch eine Dogmatik binden lassen wollen, sondern ein Verbundensein im Glauben anstreben.

Das klingt spannend, vor allem, da Berger den Untertitel “Wege aus der zerissenen Christenheit” gewählt hat, der hoffen lässt, es würden Lösungen präsentiert. In den nächsten sechs Wochen werde ich hier Stück für Stück über das Buch berichten.

Update: Gelesen habe ich das Buch zwar in der oben angegebenen Zeit, allerdings blieb dann für eine Aufarbeitung hier keine Zeit mehr. Und weil ich nicht nochmal Versprechen abgeben möchte, die ich dann nicht halten kann: Ich hoffe, dass sich hier bald ein Artikel über das Buch findet.



In der Kirche, aber nicht von der Kirche: Hans Küng


Vor über einem Monat habe ich auf der ökumenischen orientierten Website “Christ im Dialog” einen längeren zu langen Artikel anlässlich des achtzigsten Geburtstages des katholischen Theologen Hans Küng veröffentlicht. Wer sich für Leben und Werk dieses streitbaren Publizisten interessiert, bekommt hier einen ersten groben Überblick. Viel Spaß beim Lesen! (PDF, 80KB)