Portishead: Von damals bis jetzt


Als einen Nachtrag zur untenstehenden Rezension des neuen Portishead-Albums möchte ich meinem geneigten Leser noch ein paar audiovisuelle Eindrücke des künstlerischen Werdegangs dieser Band mit auf den Weg geben. Chronologisch geordnet:

  • Das Video zum Track “Glory Box” vom Erstling “Dummy”. Bitte im Hinterkopf behalten, das Album erschien 1994, das Video zu dieser Singleauskopplung ein Jahr später. Das sollte den “Stil” hinreichend entschuldigen.
  • 3 Jahre nach “Dummy” erschien “Portishead” als zweites Album, aus dem ebenfalls 1997 die Single “Over” ausgekoppelt wurde. In meinen Augen ein Paradebeispiel für TripHop und mit einem sehr schönen Video ausgestattet.
  • Mein absoluter Lieblingssong der Band ist und bleibt: “Roads”, ebenfalls vom Album “Dummy”. Am schönsten ist eigentlich die im Live-Konzert im Roseland in New York aufgeführte Adaption mit Untermalung durch ein Streichorchester. Einziges Manko: die frenetischen Fans: Amis eben.
  • Ein wirklich sehenswertes Kunstwerk ist auch das Video zu “Mysteries” von Beth Gibbons’ Soloprojekt “Out of Season”. Einfach nur wunderschön…
  • Der krasse Gegensatz zu dieser Ballade ist, wie schon angedeutet, “Machine Gun” vom aktuellen Album “Third”. Die Minimalität der Musik wie auch der Videoproduktion geht hier an meine persönlichen Grenzen — von einer anderen Band würde ich mir das wohl nicht unbedingt bieten lassen. Andererseits: Es wird mit jedem Mal besser!


Portishead: Third


Es groovt nicht mehr — oder?! Nunja, vielleicht liegt das auch an mir, schließlich bin ich auch nicht groovier geworden, sondern ca. 10 Jahre älter. Und nebenbei sollte obiges Statement ja wirklich auch nur eine ganz neutrale, sachliche Feststellung sein — ebenso sachlich und neutral wie die Beat-Patterns und Samples des zwar langersehnten, aber schon längst nicht mehr erhofften dritten Portishead-Albums an mir vorbeifließen. Denn mein erster Höreindruck war: Mehr Elektronik, weniger Emotion. Und doch trifft das so nicht ganz, schließlich betört und verzaubert Ms. Gibbons’ schwaches, dünnes, zitterndes Stimmlein immer noch, weckt durch angedeutete Fragilität den Beschützerinstinkt — wie etwa in “The Rip”, das nicht wenig an ihr jedem Melancholiker extrem an’s Herz zu legendes Solo-Album “Out of Season” erinnert.

Aber auf instrumentaler Seite wird eben etwa durch die Arpeggien in diesem Song, wie auch die Breaks in “Hunter”, die vielfach viel zu geraden Rhythmen, und die Tatsache, dass die Hammond-Orgel allerorten die Verdrängung durch den Synthesizer hinnehmen muss: aus diesem Album glücklicherweise etwas Neues, Frisches, Überraschendes. Sicherlich nicht den Hörgewohnheiten der Zeit angepasst; der Elektro-Mainstream ist immer noch weit entfernt — doch zugewandt. Und selbst härtere Songs wie “Machine Gun” klingen irgendwie erstaunlich gut (und daneben am Ende ein wenig nach Radiohead).

Einziges echtes Manko: Diese Scheibe ist derart heterogen, dass ich sie wohl nicht als Nebenbei-Gedudel auflegen mögen würde. Das hat sie aber auch nicht verdient. Mir gefällt’s.