Von Jesus lernen heißt siegen lernen (Kleines 1×1 des Betens, Folge 7)


Merkwürdig… In den letzten Wochen und Monaten habe ich weder Zeit noch Kraft noch Ruhe für unser Blog übrig gehabt, und dieser Text, dessen Rohfassung ursprünglich Anfang April dieses Jahres entstand, dümpelte damit also über ein halbes Jahr als Draft dahin — oder sollte ich sagen: reifte? Jedenfalls haben mich folgende Zeilen doch irgendwie selbst wieder erstaunt und berührt (oder vielleicht auch eher andersherum), sodass ich sie jetzt, mit einigem Abstand, noch veröffentliche, nicht ohne die Lektion, die ich persönlich seitdem gelernt habe, unten kursiv gesetzt anzufügen.

Wenn die Lage ernst oder gar hoffnungslos erscheint, gewinnt unser Gebet manchmal überraschend eine neue Qualität. Selbst wer sich von Gott keine rechte Vorstellung machen kann oder will, oder Ihn zumindest nicht als Weltenlenker, micromanagenden Controlfreak oder gar Wünscheerfüller sieht, hält sich in einer solchen Situation mit spezifischen Bitten nicht zurück. Doch andererseits müssen auch die vertrauensvollsten Glaubenden die Erfahrung machen, dass Gott nicht nur ihre Gebete nicht erhört, sondern Er zudem eiskalt schweigt. Und schweigt. Und schweigt. Und dann?

Mich hat in dieser Situation sehr bewegt und irgendwie auch erleichtert, was Jesus in der Nacht vor seinem Karfreitag erleben musste. Immerhin: Gottes eingeborener Sohn, d.h. Einzelkind, also mit den denkbar besten Connections nach oben. Zudem sündlos, und umso mehr noch schuldlos, und ja auch angeblich bestens informiert, was auf ihn wartete und wozu das alles notwendig war. Aber in dieser Nacht in Gethsemane, da betet er dann doch wie nie zuvor: Laut Markus fängt er an “zu zittern und zagen”, sein Schweiß fließt vom intensiven Beten “wie Blut” zu Boden, berichtet Lukas, und er unterbricht sein Gebet immer wieder, um nervös seine Jünger dafür zur Schnecke zu machen, dass sie so cool bleiben, dass sie sogar einschlafen.

Und dann dieses Gebet: “Abba, mein Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst!” lässt Markus ihn sprechen.

Doch genau das geschieht nicht. Gott antwortet nicht. Gott reagiert nicht. Er speist ihn nicht, wie Paulus, mit dem Hinweis ab, er solle sich an Seiner Gnade genügen lassen (2Kor 12,9). Er vertröstet ihn auch nicht mit einem nebulösen Versprechen eines abstrakt bleibenden “Lohns”, wie so oft in der Bibel, insbesondere auch im Neuen Testament. Nein, Gott schweigt seinen Sohn an, lange, beharrlich, unbarmherzig, wo Jesus doch meinte, der Vater und er seien eins.

Dieses erschreckende Gefühl, das selbst Gottes Sohn erleben musste, hat es glücklicherweise trotz seiner augenscheinlichen Negativität bis in die Evangelien geschafft. Am Ende, am Kreuz, schreit Jesus es heraus: “Eli, Eli, lama asabtani?” (Mk 15,34; Mt 27,46) Schon möglich, dass er damit nur die ersten Worte des 22. Psalms zitieren wollte, ein versteckter Insidertipp in dem Bewusstsein, dass dieser Psalm letztlich sein happy end in der triumphalen Hilfe Gottes findet, die für alle sichtbar sein wird. Doch Psalmen voller Lob und Preis für Errettung durch göttliche Intervention gibt es viele; warum also gerade dieser, und noch dazu gerade diese vier Worte?

Von allen Aussprüchen Jesu am Kreuz ist dieser für mich gleichzeitig der rätselhafteste wie auch der nachvollziehbarste und verständlichste. Aber ob der vordergründig ent-täuschende Eindruck des Verlassenseins nicht doch auch nur wieder eine erneute Selbsttäuschung ist? Immerhin spüren wir, auch wenn Gott sich nicht zu regen scheint, die Nähe unseres persönlichen Umfelds selten so stark wie in Zeiten der Not. Auch Jesus war in seinen letzten Stunden nicht allein.

Zwar  sind unsere Mitstreiter in vielen Dingen genauso machtlos wie wir, und ihr Trost unbeholfen und schwach. Doch wenn ihre Überlegungen, ihre Angebote, ihre Fürsorge, ihre Liebe ernsthaft sind, sehe ich dies auch als ein Zeichen von Gottes Nähe und Handeln. Denn auch wenn Er nicht selbst eingreifen mag — Seine Gedanken leiten, ob bewusst oder unbewusst, viele der Menschen, die uns in schweren Zeiten zur Seite stehen.



Multimediales Intermezzo (Kleines 1×1 des Betens, Folge 6)


Liebe Leserinnen und Leser, wir unterbrechen unser Programm für eine kurze Verbraucherinformation. Sorry, aber bloggen fällt diese Woche unter die Kategorie “Dinge, die ich auch mal gerne wieder tun würde”. Letzten Freitag Spieleabend, Samstag mit der Jugend Weihnachtsbäume(!) aufstellen und die Kirche schmücken, Sonntag Nachmittagsgottesdienst mit anschließender Kuchen/Abendbrot-Kombi (ebenfalls in der Kirche) – viel zu tun, aber es hat sich gelohnt.

Daher jetzt nur der kurze Hinweis auf ein Video, das die Evangelische Kirche zum Thema “Gebet” bei YouTube reingestellt hat. Dort wird sich auch auf unterhaltsame Weise mit den u.a. auch an dieser Stelle schon behandelten Fragen beschäftigt:

Prädikat: Echt lohnenswert – und meines Erachtens ein deutlicher Fingerzeig darauf, dass Christen verschiedener Konfession immer zumindest miteinander Beten können. In diesem grundlegenden Punkt des gelebten Christseins trennt uns von Katholiken und Evangelen nämlich: Nichts.



Bitte für die Ar…löcher! (Kleines 1×1 des Betens, Folge 5)


Nachdem wir in den letzten Folgen die aus meiner Sicht wirklich grundlegenden Einsteigertipps erfolgreich abgefrühstückt haben dürften, kommen wir so langsam aber sicher an’s Eingemachte. Ich möchte an dieser Stelle aber nochmals betonen, dass ich die bisher vorgebrachten Anregungen nicht zuletzt auch für mich selbst hier niedergeschrieben habe. Denn keinesfalls kann ich von mir sagen, diese Dinge in aller Regel zu beherzigen. Dies gilt noch weitaus mehr für die nun kommenden Punkte.

Eine Sache, von der ich meine, dass sie besonders wichtig ist, weil sie auf ein Wort Jesu zurückgeht und darüberhinaus auch ein “Alleinstellungsmerkmal” des Christentums darstellt, ist die Fürbitte für unsere Feinde. Nächstenliebe schließt in jedem Fall auch Feindesliebe mit ein (weil unser Nächster eben jedermann sein kann) – das erklärt Jesus eindrücklich und überzeugend in einem Abschnitt der Bergpredigt, wie Matthäus es uns in seinem Evangelium in Kap. 5, 43-48 überliefert hat. Dabei ist es nur ein kurzer Nebensatz, der große Wirkung in Deinem Leben entfalten könnte: “Bittet für die, die Euch verfolgen!”

Glücklicherweise wird in unseren Landstrichen nur noch wenige Bürger von ihren Mitmenschen angefeindet oder verfolgt. Wirkliche Feinde hat wohl kaum noch jemand. Doch da gibt es Leute, die Dich einfach nerven oder Dir unsympathisch sind. Vielleicht gibt es sogar den einen oder anderen Zeitgenossen, der Dir echte Probleme bereitet, indem er Dir in der Schule oder auf der Arbeit das Leben schwermacht. Das Spektrum beginnt aber bereits bei dem Typen, mit dem Du auf der Klassenfahrt / Geschäftsreise oder auch dem Jugendwochenende ganz bestimmt nicht das Zimmer teilen möchtest.

Hier kann Dein Gebet seine positive Kraft enfalten, und zwar auf beiden Seiten. Denn während Gott sicherlich auf Deine ernsthafte Bitte hin Herzen und Gedanken Deines “Widersachers” lenken kann, bewegst Du auch etwas in Dir, wenn Du Dich mit dieser Person und ihren Problemen auseinandersetzt. Das gibt Dir eine andere Sichtweise auf ihr Verhalten. Und Verständnis ist der erste Schritt auf den Anderen zu. Wichtiger Schlüssel zum Verständnis anderer ist das eigene Verstehenwollen. Wenn Du Dir während des Betens ernsthafte Gedanken darüber machst, was Gott Deinem Gegner Gutes tun könnte – was er also braucht -, dann kann eine (durchaus begrüßenswerte) Nebenwirkung davon sein, dass Gott auch Dir etwas schenkt: Ein Herz voll Liebe für Deinen Nächsten (vgl. Mt.5,44)



Sei Dein eigener Kreativdirektor (Kleines 1×1 des Betens, Folge 4)


“Ich bin klein, mein Herz ist rein, ich will auch immer artig sein!” bzw. “…soll niemand drin wohnen als Jesus allein!” oder “Komm, Herr Jesus, sei unser Gast…” – vermutlich haben die meisten Christen als Kinder das Beten gelernt, in dem sie mit geschlossenen Augen und gefalteten Händen gereimte Sätze (nach-) gesprochen haben. Das ist sicherlich für den Anfang auch genau die richtige Vorgehensweise. Kein Erwachsener würde sich aber dauerhaft auf die oben als Beispiele angeführten Gebete beschränken wollen. Trotzdem beten viele immer wieder in den ihnen gewohnten Phrasen, was zu ähnlich formelhaften Ergebnissen führt. Warum eigentlich?

Meine Vermutung: Simultan nachzudenken und zu sprechen stellt eine ziemliche Herausforderung dar (insbesondere für Männer), etwas quasi auswendig dahersagen fällt dagegen leichter (zumal, wenn es auf die Genauigkeit nicht so sehr ankommt). Wer schon einmal eine Stegreifrede halten musste, weiß vielleicht, was ich meine – das ist i.d.R. viel schwieriger als ein vorbereiteter Vortrag. Deswegen werden wir – da es ja beim Beten nicht so drauf ankommt – schnell mal faul und klammern wir uns an Altbewährtes. Es kommt aber drauf an! Das Problem in diesem speziellen Fall ist nämlich: Gebete nutzen sich ab. Wer hätte sich nicht schon beim Beten des “Vater Unser” dabei ertappt, wie der Mund die Worte mitspricht, während sich der Geist sich anderen Dingen zuwendet? Wichtig sind aber letztlich nicht die ausgesprochenen Worte, sondern die Bewegung, die dazu durch Herz und Geist geht.

Dass es daher zum Erreichen eines intensiven Gebetslebens notwendig ist, eigene, passende Umschreibungen für den inneren Gefühlszustand zu finden, ist vor einigen Tagen schon angeklungen, als es darum ging, laut zu beten. Die Frage, was eigentlich momentan mit mir genau los ist, dürfte in den meisten Fällen schon schwierig zu beantworten sein. Noch interessanter wird es allerdings, wenn es darum geht, was unser himmlischer Vater denn konkret verändern könnte, um mir zu helfen. Doch Bitten haben wir meistens sowieso schon viel zu viele, und auch die Fürbitten für unseren näheren Verwandten- und Bekanntenkreis dürften relativ leicht fallen – wobei ich auch hier vor der simplen Pauschalisierung warnen möchte. (“Und hilf doch bitte den Kreuzesträgern.”) Daneben gibt es aber noch ein paar andere Möglichkeiten:

  1. Für jemanden bitten, an den man noch nie gedacht hat: Jeden Tag treffen wir diverse Personen, die wir zwar schon irgendwie zu unserem Bekanntenkreis zählen dürfen, aber noch nie in einem Gebet bedacht haben. Such Dir einen dieser Mitmenschen aus, und überleg Dir, wie Gott ihr helfen könnte. Was wünscht sie sich? Was macht ihr Sorgen? Das ist ein guter Anlass, sich mal näher mit diesem Menschen zu beschäftigen und gleichzeitig die Fürbitte zu üben.
  2. Bewusst danken: Es ist nicht ganz leicht, sich bewusst zu machen, was man in den letzten Tagen alles Gutes erlebt hat. Auch hier lohnt es sich, intensiv darüber nachzudenken, in welcher Form Gottes Hilfe dazu beigetragen haben könnte. Das dürfen gerne auch Kleinigkeiten sein – nur halt nicht immer die gleichen. (Achtung: Gewohnheit!) Als Ausgangspunkt für Einsteiger eignen sich dazu die von Stammapostel Leber auf dem Jugendtag in NRW angeführten Beispiele – viele der Dinge, die für uns hierzulande nichts Besonderes mehr darstellen (Religionsfreiheit, um nur ein Beispiel zu nennen), sind in anderen Gebieten garnicht möglich. Das bietet also nicht nur den Anlass für Dankbarkeit, sondern auch für weitere, konkrete Fürbitten.
  3. Überschwenglich loben: Mal ernsthaft – gehört der Lobpreis Gottes zu Deinem persönlichen Gebet? Ich tue mich damit häufig ziemlich schwer, besonders, wenn ich allein bete. Dabei könnte man da eigentlich mal so richtig die Sau rauslassen! Der Trick: Nicht irgendwelche Wortungetüme wie “wundervoller”, “gütiger, treuer” oder “allmächtiger” (…Vater) versuchen zu benutzen, die Dir sonst nicht über die Lippen kämen – dadurch wirst Du auch nicht heiliger. Finde lieber Deine eigenen Worte – das macht viel mehr Spaß! Gott rockt einfach total, und das darf man ihm auch ruhig mal so sagen.

Hmm, Du erlebst momentan aber nichts, wofür Du Gott danken oder loben könntest? Auf diese Problematik möchte ich später noch eingehen, sie würde diesen Beitrag sprengen.



Let’s get loud! (Kleines 1×1 des Betens, Folge 3)


Wer sich mal so richtig aussprechen will, muss zunächst einmal eines: sprechen!

Folge 3 in einer Serie von Gedanken zu einem gesunden Gebetsleben.

In der letzten Folge an dieser Stelle wurde besonders herausgestellt, wie wichtig es ist, sich zum Beten zurückzuziehen. Das ist nicht nur reiner Selbstschutz, sondern trägt auch dazu bei, die Nerven der anderen zu schonen. Denn ein meiner Ansicht nach wesentlicher Tipp zum Beten ist: Bete laut! Ja, genau – LAUT!

Dieses Vorgehen zwingt Dich nämlich dazu, Deinen Sorgen und Problemen, aber auch Deiner Freude wirklich Ausdruck zu verleihen. Du musst Deine Gedanken ordnen, um Sätze zu formulieren. Das mag Gott letztlich egal sein, da er schließlich auch in Dein Herz sehen kann – aber wir Menschen werden uns vieler Probleme erst richtig bewußt, wenn wir versuchen müssen, sie anderen zu erklären. Nicht selten erzeugt dies dann den einen oder anderen Geistesblitz, der uns bei der Lösung behilflich ist. Gleiches gilt auch umgekehrt für den positiven Fall: Ein nicht ausgesprochenes Lob ist faktisch wertlos. Gott hat Deinen Dank nicht nötig – aber Du hast es nötig, Dir immer wieder auf’s Neue bewußt zu werden, wie groß und gütig unser Vater im Himmel ist! Halleluja!

Ein netter Nebeneffekt des lauten Betens ist übrigens, dass man sich schnell darüber im Klaren ist, wie viele Floskeln und Phrasen man verwendet. Wendungen wie “er- und durchleben” sind kein Merkmal einer besonders heiligen Sprache; sie weisen vielmehr darauf hin, dass man Versatzstücke einfach recycelt anstatt seine Anliegen in passende Worte zu kleiden. Gott wird Dir nicht böse sein, solltest Du mehrmals ansetzen müssen, bis Du Worte gefunden hast, die Deinen Herzenszustand widerspiegeln. Aber Du tust Dir selbst einen Gefallen mit dem Versuch, Dein Inneres möglichst detailgetreu zu schildern. Dann erreicht Dein Gebet eine besondere Tiefe, und das Beten wird Dir nicht länger monoton, langweilig oder repetitiv erscheinen.



Öfter mal den Rückzug antreten… (Kleines 1×1 des Betens, Folge 2)


…um die Kräfte neu zu ordnen.

Folge 2 in einer Serie von Gedanken zu einem Gebetsleben, das diesen Namen auch verdient.

Gestern ging es hier um die Notwendigkeit, sich täglich zehn Minuten Zeit fest einzuplanen, um seiner Seele die Chance zu geben, einmal richtig tief durchatmen zu können. Diese zehn Minuten müssen nicht unbedingt komplett mit dem eigentlich Beten ausgefüllt sein. Zunächst müssen wir ein paar Voraussetzungen schaffen, um überhaupt sinnvoll beten zu können. Besonders wichtig dabei: Ruhe.

Beten ist Konzentrationssache. Letztlich ist ein Gebet immer auch eine Meditation. Ein nebenbei laufender Fernseher ist da eher hinderlich. Sicher, man wird auch im größten Tohuwabohu ein kurzes Stoßgebet an Gott senden können, und bestimmt ist es möglich, auch bei laufendem Radio mal eben schnell für’s Essen zu danken – aber wirkliche Tiefe im Gebet kann man erst bei Stille erreichen. Aus diesem Grund sind mönchische Schweigeorden wie die Kartäuser entstanden. Für’s Erste sollte aber etwa ausreichen, Dein Handy lautlos zu schalten.

Das Herstellen äußerer Stille ist jedoch nur ein erster Schritt: Auch in Dir selbst muss Ruhe einkehren. Wie das geht, musst Du für Dich selbst herausfinden – jeder Mensch hat da andere Möglichkeiten. Mir persönlich hilft es, wenn ich mehrmals tief durchatme und mich ganz auf die Stille konzentriere, die mich umgibt, indem ich intensiv lausche. Dann merke ich, wie ich schlagartig ruhiger werde. Andere holen sich geistig ein bestimmtes Bild vor Augen, vielleicht eine Landschaft. Auch die Möglichkeit, einen kurzen Text zu lesen – ob aus der Bibel oder einem anderen geeigneten Buch – und sich damit gedanklich zu befassen, sollte nicht außer Acht gelassen werden. Irgendwann merkst Du dann: Jetzt kann’s losgehen!



Nimm Dir Zeit… viel Zeit! (Kleines 1×1 des Betens, Folge 1)


Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Die 1. Folge in einer Serie von Gedanken zu einem Gebetsleben, das diesen Namen auch verdient.
Ein Großteil unseres Gebetslebens wird von den ritualisierten Tageszeitengebeten geprägt – am Frühstückstisch, beim Abendbrot, vor dem Schlafengehen. In diesen Situationen hat man meist entweder nur wenig Zeit (weil sonst die Bahn weg ist oder das Essen kalt) oder ist rechtschaffen müde. Daher sind diese Gebete oft zweckgebunden und sehr kurz. Sie dauern meist weniger als dreißig Sekunden – und das ist so auch vollkommen in Ordnung! Jedenfalls, wenn es als Ausgleich dazu täglich noch mindestens ein weiteres, längeres Gebet gibt.

Betrachte dieses eine, längere Gebet als Deine tägliche Seelengymnastik – Du tust Dir damit selbst etwas Gutes! Ein einfacher Workout, um vital und agil zu bleiben. Nichts Großartiges, nur ein paar Fingerübungen, aber mit hohem Wirkungsgrad. Um diesen zu erreichen ist aber nicht die Quantität der gemachten Worte, sondern die Qualität der bewegten Gedanken erforderlich – das Gebet soll nicht in die Länge, sondern in die Tiefe gehen. Insofern darf auch ein solches, richtiges Gebet kurz sein. Wichtiger sind Herzenseinstellung und Inhaltsreichtum. Stimmen diese beiden Faktoren, dann belebt ein Gebet wie ein kurzer, schneller Spaziergang an der frischen Luft und gibt Dir Kraft und neuen Schwung. Dafür lohnt es doch sicherlich, sich etwa zehn Minuten Zeit zu nehmen? Ach, zehn Minuten, das klingt garnicht nach so furchtbar viel? Prima, um so besser! :-)

Entscheidend ist, dass diese zehn Minuten einen festen Platz in Deiner Tagesplanung bekommen. Das ist oft schwieriger als gedacht, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Selbst bei den besten Vorsätzen kommt immer wieder etwas dazwischen. Also muss Dein Gebet auch eine gewisse Priorität haben, um sich gegen die andere Konkurrenz (u.a. Deine Lieblingsserie und die natürliche Faulheit) durchsetzen zu können. Wenn Du wirklich beten willst, sollte das aber auch möglich sein – es geht wie gesagt lediglich um zehn Minuten. Beten wollen musst Du allerdings selbst… ;-)

Wenn Du willst, dann schau doch die nächsten Tage hier mal wieder vorbei! In der kommenden Woche möchte ich mich – auch anlässlich des Buß- und Bettages am Mittwoch – in einer kleinen Serie einmal intensiv mit dem praktischen Gebetsleben auseinandersetzen und meine Tipps und Tricks rund um’s Beten mit Euch teilen. Den Anstoss dazu hat unser heutiger Jugendgottesdienst gegeben.