Die wunderbare Zeitvermehrung


Und Jesus sah eine große Menge Volkes, die Menschen taten ihm leid, und er redete zu ihnen von der unwiderstehlichen Liebe Gottes.

Als es dann Abend wurde, sagten seine Jünger: Herr, schicke diese Leute fort, es ist schon spät, sie haben keine Zeit.

Gebt ihnen doch davon, so sagte er, gebt ihnen doch von eurer Zeit!

Wir haben selber keine, fanden sie, und was wir haben, dieses wenige, wie soll das reichen für so viele?

Doch war da einer unter ihnen, der hatte wohl noch fünf Termine frei, mehr nicht, zur Not, dazu zwei Viertelstunden.

Und Jesus nahm, mit einem Lächeln, die fünf Termine, die sie hatten, die beiden Viertelstunden in die Hand. Er blickte auf zum Himmel, sprach das Dankgebet und Lob, dann ließ er austeilen die kostbare Zeit, durch seine Jünger an die vielen Menschen.

Und siehe da: Es reichte nun das wenige für alle. Am Ende füllten sie sogar zwölf Tage voll mit dem, was übrig war an Zeit, das war nicht wenig.

Es wird berichtet, dass sie staunten. Denn möglich ist, das sahen sie, Unmögliches bei Ihm.


(Aus: Lothar Zenetti, “Die wunderbare Zeitvermehrung. Variationen zum Evangelium“)



Dezentrales Task- und Terminmanagement mit Thunderbird


Mozilla Thunderbird hat mir in den vergangenen Jahren als Email-Client bereits gute Dienste geleistet. Als ich mich im Rahmen meiner Zen to Done-Initiative nun nach einer Anwendung umgesehen habe, mit der ich meine Aufgaben und Termine komfortabel verwalten kann, kam mir als allererstes Chandler in den Sinn. Dieses Tool unterstützt die Getting-Things-Done-Methodik von Grund auf und wurde vom Lotus-Gründer Mitch Kapor ins Leben gerufen. Leider kann Chandler aber nicht so wirklich mit Google Calendar zusammen, mit dem ich meine Termine zu pflegen geruhe. Soll heißen: Ich kann zwar die Termine aus meinen Kalendern abrufen, aber keine neuen Termine in Chandler erstellen, um sie in Richtung Google Calender zu senden. Das hilft mir also nicht weiter. Rainlendar war mein zweiter Gedanke, doch der ist zu ressourcenhungrig, als dass ich auf meinem Arbeitsplatzrechner große Freude damit hätte.

Aber da war doch mal… Sunbird, oder so ähnlich? Ja, es gibt das Kalendertool von Mozilla noch immer, auch wenn das Projekt vor drei Jahren, als ich mich zuletzt dafür interessiert hatte, kurz vor dem Aus zu stehen schien. Und nicht nur Sunbird, auch das begleitende Thunderbird-Add-on Lightning (das früher irgendwie mal anders hieß) ist nicht nur immer noch quicklebendig, sondern darüberhinaus auch erwachsen geworden.

Die Verquickung von Email-Client mit Terminmanager hat mehrere Vorteile. Am wichtigsten finde ich, dass man aus den eingehenden Mails im Handumdrehen gleich Tasks oder Termine machen kann, indem man sie auf die entsprechende Schaltfläche zieht. Ein netter Nebeneffekt ist, dass nicht noch ein Fenster zusätzlich offen sein muss.

Leider ist die Integration von Google Calendar dann doch nicht so einfach wie gedacht — aber im Gegensatz zu Chandler immerhin möglich. Lightning ist durch sog. Provider an jede denkbare Datenquelle/-senke koppelbar. Und natürlich gibt es bereits einen Provider für Google Calendar als Add-on für Thunderbird.

Bleibt nur ein Problem: Während Lightning mit Aufgaben eine komfortable Verwaltung von To-Do-Listen ermöglicht, kennt Google Calender keine Tasks, sondern nur Events. Das könnte man jetzt als Schönheitsfehler abtun, aber wir wollen hier ja das vorhandene Potential ausschöpfen. Und überhaupt hatte ich mir ja gerade deswegen schon vor Längerem einen Account bei RememberTheMilk.com registriert. Und siehe da, nachdem ich fix noch einen Remember the Milk Provider installiert habe, klappt’s auch mit den Aufgaben. MacGyver wäre stolz auf mich.

Das Ganze mag einem zunächst ja ein bisschen wie notdürftig zusammengeflickt vorkommen. Ich würde aber eher von konfigurierbaren Softwarekomponenten sprechen, die alle genau das tun, was man von ihnen erwartet (und nur das), darüberhinaus aber auch noch miteinander gekoppelt werden können. Eine monolithische Lösung mag zwar an sich effizienter sein, aber tut nicht unbedingt das, was ich will. Und damit bremst sie dann doch wieder die Produktivität.

Beteiligte Akteure: