Everything is a Remix


Vor ein paar Tagen hat der New Yorker Filmemacher Kirby Ferguson die dritte Folge seiner vierteiligen Dokumentation “Everything is a Remix” veröffentlicht. Allen, die sich für den Prozess der Kreativität interessieren oder die wissen wollen, wie Innovation entsteht, und auch allen, die eine gut recherchierte und ästhetisch einwandfreie Kurzdoku über ein aktuelles Thema sehen wollen, empfehle ich, sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen und die Filme anzusehen. Wirklich toll gemacht und sehr sehenswert!

Everything is a Remix Part 1.

Everything is a Remix Part 2.

Everything is a Remix Part 3.

Teil 4 soll in diesem Herbst veröffentlicht werden.



Michael Jackson, Pop-Ikarus


Es gibt vermutlich nur wenige Menschen, die in den 80ern ihre Kindheit verbrachten, ohne eine zumindest zeitweilige Phase der Bewunderung für Michael Jackson zu durchleben. Das  allererste Musikalbum in meinem Besitz war Bad, natürlich damals noch auf Kassette. Das Album erschien 1987 — da war ich 10 Jahre alt. Dass Michael Jackson jetzt so plötzlich und tragisch verstarb, versetzt mich also eher in eine Art Nostalgie, denn seit meinem musikalischen coming of age ab der Mitte der ’90er habe ich seinen Werdegang bzw. Abstieg nur noch am Rande in den Sensationsmeldungen der Boulevardpresse mitverfolgt.

Allerdings muss ich hinzusetzen, dass mich ohnehin die Musik an sich nur teilweise faszinierte, vor allem, weil ich schon damals per Stromgitarre erzeugte Töne bevorzugte. (Eins meiner nächsten Alben war The Razor’s Edge von AC/DC, heimlich vom eigenen Taschengeld gekauft. Das erschien 1990, woran man sieht, dass sich mein Musikkonsum noch arg in Grenzen hielt.) Die Gitarrenaffinität bewirkte auch, dass Dirty Diana mein Lieblingssong auf Bad war und blieb. Aber: Wenn ich die Musik nur so halbwegs mochte, was hat mich dann an Michael Jackson so nachhaltig beeindruckt?

Ganz einfach — sein Tanzstil.

Schaut man sich bspw. auf YouTube Musikvideos von Michael Jackson an, wird selbst ohne Ton deutlich, was für ein genialer Künstler dieser Mann war. Als Beispiel sei auf die Live-Performance zum 25-jährigen Bestehen des Motown-Records-Labels verwiesen — jeder Schritt sitzt. Die perfekten Choreografien wurden in der Regel zudem von Jackson selbst entworfen.

Über das, was dann ab den Neunzigern mit Michael Jackson geschah, habe ich mir schon öfters Gedanken gemacht. Mittlerweile glaube ich, dass Jackson, der ja durch seinen Vater bereits früh und hart zum Showstar gedrillt wurde, nie eine richtige Kindheit erleben durfte, und sich daher auf dem Höhepunkt seines Erfolgs versuchte, in das Paradies des Kindseins zurückzukaufen — etwa durch einen Affen als Haustier, Kooperationen mit Disneyland (wie dem Film Captain EO) und dem Erwerb der Rechte an sämtlichen Songs der Band seiner Kindheit, den Beatles. Ja, vielleicht war Michael Jacksons oft (und böswillig) als Pädophilie missgedeutete Kinderliebe, die sich auch in vielen humanitären Hilfsprojekten (“Heal the World“) ausdrückte, letztlich auch nichts mehr als dass: Ein gutgemeinter, kindlich-ungeschickter Versuch, anderen jungen Menschen ihre Kindheit so schön wie möglich zu gestalten.

Im Rückblick erscheint mir Michael Jacksons Leben wie eine Coverversion des Ikarus-Mythos: Um aus dem beengten Lebensumständen der unterdrückten schwarzen Minderheit in den USA der 60er Jahre auszubrechen, erschafft Vater Jackson seinen Kindern Flügel — die Musik. Sie einzusetzen erfordert allerdings hartes Training mit eiserner Diziplin: nicht zu hoch, nicht zu tief… Und wer weiß, vielleicht wollte ja auch die tragische Gestalt der Antike sich durch ihren “übermütigen” Aufstieg zu dicht an die Sonne lediglich dem unbarmherzigen Regime ihres Vaters Dädalus entziehen?



So ist Paris


Also, ungefähr so. Obwohl dieser Trailer leider natürlich auf das Massenpublikum zugeschnitten ist, und daher ziemlich billig wirkt. Denn dieser wundervolle Episodenfilm von Cedric Klapisch (“L’Auberge Espagnol”) schildert voller Liebe und dennoch mit Scharfblick das Leben in Frankreichs Metropole. Und bleibt dabei: Kritisch und nachdenklich. An keiner Stelle langatmig, im Gegenteil: Man möchte mehr wissen über die Charaktere. An vielen Stellen tieftraurig, aber im nächsten (nein, im gleichen) Moment auch irgendwie komisch. Und immer leicht und… liebevoll. So ist Paris.



Portishead: Von damals bis jetzt


Als einen Nachtrag zur untenstehenden Rezension des neuen Portishead-Albums möchte ich meinem geneigten Leser noch ein paar audiovisuelle Eindrücke des künstlerischen Werdegangs dieser Band mit auf den Weg geben. Chronologisch geordnet:

  • Das Video zum Track “Glory Box” vom Erstling “Dummy”. Bitte im Hinterkopf behalten, das Album erschien 1994, das Video zu dieser Singleauskopplung ein Jahr später. Das sollte den “Stil” hinreichend entschuldigen.
  • 3 Jahre nach “Dummy” erschien “Portishead” als zweites Album, aus dem ebenfalls 1997 die Single “Over” ausgekoppelt wurde. In meinen Augen ein Paradebeispiel für TripHop und mit einem sehr schönen Video ausgestattet.
  • Mein absoluter Lieblingssong der Band ist und bleibt: “Roads”, ebenfalls vom Album “Dummy”. Am schönsten ist eigentlich die im Live-Konzert im Roseland in New York aufgeführte Adaption mit Untermalung durch ein Streichorchester. Einziges Manko: die frenetischen Fans: Amis eben.
  • Ein wirklich sehenswertes Kunstwerk ist auch das Video zu “Mysteries” von Beth Gibbons’ Soloprojekt “Out of Season”. Einfach nur wunderschön…
  • Der krasse Gegensatz zu dieser Ballade ist, wie schon angedeutet, “Machine Gun” vom aktuellen Album “Third”. Die Minimalität der Musik wie auch der Videoproduktion geht hier an meine persönlichen Grenzen — von einer anderen Band würde ich mir das wohl nicht unbedingt bieten lassen. Andererseits: Es wird mit jedem Mal besser!