Trotzdem handeln (Rö.5,3-4)

Heute erklärt uns Paulus, wie man in drei einfachen Schritten vom Leid zur Hoffnung kommen kann.

“Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung…” (Rö.5,3-4)

Nicht allein aber was? Nunja, in den beiden Versen zuvor hat Paulus in aller Kürze die Grundlage für seine Theologie der Rechtfertigung gelegt: Durch den Glauben an Jesus Christus sind wir vor Gott gerecht gemacht worden, und deswegen dürfen wir teilhaben am Frieden mit Gott, an Seiner Gnade und an der Hoffnung auf eine Zukunft in Herrlichkeit mit Ihm.

Das allein ist schon der Hammer schlechthin. Darüberhinaus gilt uns aber auch noch das, was Paulus in der obigen Textpassage hervorhebt: Auch das Leid, das uns manchmal erwischt, kann uns zum Guten dienen, wenn wir es richtig zu nehmen wissen.

Paulus baut hier (wieder einmal) eine logische Kette auf – und eine Kette ist immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Der Weg von der “Bedrängnis” zur “Hoffnung” führt unweigerlich über die beiden Glieder der “Geduld” und der “Bewährung”. Beide müssen belastbar sein, um diese Verkettung gewinnbringend ausnutzen zu können.

Während man sich unter dem Stichwort “Geduld” in Bezug auf Leiden und Problemsituationen sicherlich sofort etwas vorstellen kann, ist der Begriff der Bewährung schon etwas schwieriger. Schließlich steht dort wirklich “Bewährung”, und nicht “Bewahrung”. Der Unterschied ist klein, aber doch auffällig. Was mag Paulus also damit meinen?

Ich denke, es geht Paulus vor allem darum, dass die Geduld sich nicht in stillem Aushalten erschöpfen darf. Es ist mehr notwendig als nur das tatenlose Ertragen, das Abwarten auf eine Änderung der Verhältnisse – denn daraus allein erwächst keine Hoffnung. Hoffnung kann nur entstehen, wo trotz der widrigen Situation gehandelt wird. Wer sich bewähren will, der muss etwas tun. Und zwar nicht einfach irgendetwas, um sich abzulenken – sondern etwas, das dazu beiträgt, die Verhältnisse zu ändern.

Ein Beispiel: Über einen Torwart, der dem Gegner eine 100%-ige Chancenverwertung gestattet, wird niemand sagen können, er habe sich bewährt – selbst dann nicht, wenn besagter Torhüter im gleichen Spiel nebenbei einen Elfmeter verwandelt oder nach einer Ecke ein Kopfballtor erzielen kann. Seine Aufgabe ist es, die Torchancen der Gegenmannschaft zu vereiteln – und darin muss er sich bewähren.

Das bringt uns noch einen Schritt weiter: Es geht garnicht darum, wesentlich mehr zu machen – sondern darum, mehr Wesentliches zu tun. Das heißt dann auch, Unwesentliches oder gar Schädliches ganz bewusst NICHT zu tun, sondern zu unterlassen. Diese Unterscheidung ist wichtig, aber oftmals nicht so einfach. Bewährung in Bedrängnissen erfordert daher ganz konkret einen bewussten Umgang mit der Situation – und auch mit denjenigen, in denen man die Auslöser für die Probleme zu sehen glaubt.

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