Wir haben keine andere Wahl… (Dan.9,18)

… wir sind Gott schutzlos ausgeliefert. Zum Glück!

Einige Gedanken zum Jugendgottesdienst für November 2008.

“Denn wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.” (Dan. 9, aus 18)

“Wir liegen” – das hat mich gleich angesprochen. Ich habe damit sofort ein Bild verbunden, das ich schon lange mit mir trage, weil es mich sehr beeindruckt hat. Ich muß so etwa zwölf Jahre alt gewesen sein, als ich zum ersten Mal den Roman “Der Name der Rose” des Autoren Umberto Eco gelesen, ach was, verschlungen habe, der in einer Abtei zu Beginn des 14. Jahrhunderts spielt. Die beiden Protagonisten des Buches, William von Baskerville und Adson von Melk, treffen relativ zu Beginn der Erzählung einen alten Bekannten Williams, den Mystiker Ubertin von Casale – d.h., sie finden ihn in der Klosterkirche ins Gebet vertieft. Doch, für mich damals sehr überraschend: der Mönch kniet nicht etwa – er liegt. Er liegt auf dem Bauch, lang ausgestreckt, die Arme ausgebreitet, das Gesicht und die Stirn auf dem harten, kalten Steinboden. Ein starkes Bild!

Wer liegt, ist sich seiner Wehrlosigkeit bewusst. Dies gilt besonders, wenn er “jemandem zu Füßen” liegt. Aus dieser Position lässt sich kaum verhandeln, geschweige denn, Forderungen stellen. Und auch wenn das “Liegen” offensichtlich auf einen Übersetzungslapsus Luthers zurückgeführt werden muss, trifft es doch gut die innere Haltung des Daniels, mit der er in einem Gebet der Buße vor Gott tritt.

Daniel weiß: Er ist Gott ausgeliefert. Er hat keine Position, aus der er mit Gott verhandeln könnte – niemand kann das. Gott ist souverän, und seine Entscheidungen bleiben uns oft unerklärlich. Also bleibt Daniel (und auch uns) nur, sich dieser Schutzlosigkeit bewusst zu werden und sich damit ganz bewusst in Gottes Hand zu geben. Nur Gottes Barmherzigkeit kann uns erretten – unser eigenes Bemühen ist zwar wichtig und notwendig, wäre aber bei weitem nicht ausreichend. Dieses Bewusstsein ist eine konkrete Form der Demut und der Gottesfurcht. Und es ist eine Motivation, Buße zu tun, also die eigene Position zu überprüfen, den eigenen Weg zu überdenken und ggf. umzukehren.

Noch ein anderer Gedanke kam mir in Bezug auf das “Liegen”. In einer anderen Bibelübersetzung lautet die Stelle: “Denn nicht aufgrund unserer Gerechtigkeiten legen wir unser Flehen vor dich hin, sondern aufgrund deiner vielen Erbarmungen.” (Revidierte Elberfelder) Ist es uns ein Herzensanliegen, dass Gott barmherzig mit uns sein möge? Liegen wir ihm mit dieser Bitte in den Ohren? Wie wichtig dies ist, darauf hat Jesus Christus selbst bereits eindrücklich hingewiesen.

Der Evangelist Lukas beschreibt zu Beginn des 18. Kapitels, wie Jesus ein Gleichnis erzählt, in dem ein ungerechter Richter einer alten Witwe (also einer in der damaligen Zeit schutzlosen Person) letztlich Recht gegen ihren Widersacher verschafft, weil die Frau einfach nicht locker gelassen hat. Jesus endet die Erzählung mit den Worten: “Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er’s bei ihnen lange hinziehen? Ich sage euch: Er wird ihnen Recht schaffen in Kürze.” Vielleicht ist nicht so wichtig, dass wir Tag UND Nacht rufen, aber – betest Du auch, wenn Du betest?

Übrigens: nächsten Mittwoch, den 19.11.2008, ist wieder Buß- und Bettag… Und gerade begreife ich, warum nicht nur Bußtag oder einfach Bettag ist – diese beiden Tätigkeiten sind eng miteinander verknüpft.

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