Xbox 1984

Spielekonsolen liegen eigentlich außerhalb meines Interesses, oder zumindest sehr weit am Rande — nicht, weil ich nicht gerne spielen würde, sondern, weil ich für diesen Zweck zumindest bis zum Erscheinen der Wii den PC aus pragmatischen (bereits vorhanden, kein Fernseher benötigt, vielfältige Eingabegeräte anschließbar und überhaupt vielseitiger) wie ästhetischen Gründen (wesentlich höhere Auflösung der Bilder) vorgezogen habe.

Doch was Microsoft jetzt mit Project Natal als Erweiterung der Xbox 360 auf der Computerspiel- Messe E3 der Öffentlichkeit vorgestellt hat, lies mich erst aufhorchen und dann, nach dem Sehen des offiziellen Werbeclips, zusammenzucken. Das Konzept kam mir… irgendwie vertraut vor.

Ein Gerät, das im Wohnzimmer steht und den Fernseher um einen Rückkanal erweitert? Das sich selbständig aktiviert, sobald jemand den Raum betritt (oder vielleicht nie wirklich aus ist — man weiß es nicht)? Das Gesichter und Stimmen voneinander unterscheiden kann? Das jede Aktion vor seinen elektronischen Augen und Ohren aufmerksam mitverfolgt? Na klar: Das ist der Telescreen, wie ihn George Orwell in seinem Roman Nineteen Eighty-Four beschreibt. Mit dem Unterschied, dass wir heute schon über die notwendige Software verfügen, um die gesammelten Daten automatisch auszuwerten — was die Xbox zu Entertainmentzwecken tut.

Ich will jetzt nicht in irgendwelche wilden Verschwörungstheorien abgleiten. Aber wie der Zufall es so will, haben wir bald (oder schon heute?) mit den diversen Gadgets alle technologischen Hilfsmittel in unseren Taschen und Wohnräumen, die einem Überwachungsstaat viel Arbeit abnehmen würden: Ob es nun die Mobiltelefone sind, die das lückenlose Protokollieren unseres Aufenthaltsortes ermöglichen (was mit Google Latitude sogar noch auf die Spitze getrieben werden kann), die öffentliche Preisgabe oder zumindest das bedenkenlose Abtreten persönlicher Daten, Fotos und Kontakte an Webplattformen wie Facebook und StudiVZ oder eben jetzt ein Einblick in das eigene Wohnzimmer.

Fehlt eigentlich nur so etwas wie Google Maps mit Street View in Echtzeit. Dieses Werkzeug ist bis jetzt noch den div. Regierungen vorbehalten — immerhin.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *